URBINO ZUR ZEIT FEDERICOS
1. STELLUNG URBINOS INNERHALB DER
HISTORISCH-GEOGRAPHISCHEN WIRKLICHKEIT DER ZEIT
Die folgenden Seiten wollen ein synthetisches, aber artikuliertes Bild der politischen und kulturellen Wirklichkeit eines weltbekannten Zentrums vermitteln, das zu den prächtigsten der italienischen Renaissance gehört.
Bekanntlich wird in dem Werk Il Cortegiano (dt. "Der Hofmann") von Baldassare Castiglione (ein europäischer Text (1) wie vielleicht wenige andere) das Bild des Hofes von Urbino als Modell einer neuen politischen Form beschrieben und gepriesen. In dem "malerischen Porträt des Hofes von Urbino" (2), in einem "polychromen und bewegten Fresko" (3), das nicht gerade frei von einer historisch-dokumentarischen Strenge ist, wird die Vorstellung Urbinos als idealer Hof und als Modell einer neuen politischen Form gezeichnet, das durch die Initiative und durch die persönliche Eingabe Federico di Montefeltros geschaffen wurde. Noch vier Jahrhunderte später wird das Herzogtum Urbino in dem Werk des großen Historikers der Renaissance-Kultur Jacob Burckhardt neben anderen italienischen Fürstentümern als Beispiel für einen Renaissance-Staat als Kunstwerk genannt:
Nicht nur der Staat, sondern auch der Hof war ein in jeder Hinsicht hervorragend aufgebauter und geführter Organismus (4).
Zumindest dies muß eingangs betont werden, um die Wahl dieser Seiten zu rechtfertigen, die an Studenten aus Ländern gerichtet sind, welche alle in einem gewissen Maß, wenn auch unterschiedlich, an ihrer Wurzel als Bestandteil (zumindest bis zur Französischen Revolution) die Erfahrung des Hofes haben, die zum ersten Mal, mit Bezug auf den Urbinater Hof der Montefeltro, von Castiglione im Cortegiano ausgearbeitet wurde.
An dieser Stelle erscheint es angebracht, kurz die geographisch-historische Situation des Ortes darzustellen, der später Hauptstadt des Herzogtums Montefeltro wurde.
Das heute zu der Region Marken (5) gehörende Urbino liegt zwischen den Tälern des Foglia und des Metauro, 35 Kilometer von Pesaro und der Adria entfernt. Castiglione beschreibt es auf den ersten Seiten seines Meisterwerks folgendermaßen:
An den Hängen der Apenninen, gleichsam in der Mitte Italiens gegen das adriatische Meer zu, liegt das Städtchen Urbino. Obwohl wegen seiner Lage im Gebirge nicht so anmutig wie andere Orte, hat es doch ein so herrliches Klima, daß das Land herum äußerst ertragreich und in seiner Weise fruchtbar ist, daß man dort außer einem heitern Himmel alle Notdurft für das menschliche Leben vorfindet. Aber unter allen Annehmlichkeiten, die man der Stadt beilegen kann, ist meines Erachtens die die vornehmste, daß sie lange Zeit hindurch von den besten Fürsten beherrscht worden ist, wozu noch kommt, daß sie von den durch ganz Italien wütenden Kriegen lange verschont geblieben ist. Um nicht fernerliegendes heranzuziehen, verweisen wir als gute Bekräftigung auf das ruhmreiche Andenken des Herzogs Federico, der seinerzeit eine Leuchte Italiens gewesen ist. Es fehlt nicht an wahrhaftigen und ausreichenden Zeugnissen von Leuten, die noch heute leben, über seine Klugheit und Bildung, seine Gerechtigkeit und Freigebigkeit, seinen Hochsinn und seine Kriegskenntnis, Eigenschaften, die hauptsächlich durch die von ihm erfochtenen Siege, durch seine Eroberungen uneinnehmbarer Plätze und durch seine Schlagfertigkeit im Feld erhärtet werden, da er oft mit geringer Mannschaft große und mächtige Heere in die Flucht geschlagen hat, selbst aber in keiner Schlacht überwunden worden ist, so daß man ihn füglich der Zahl der alten Helden anreihen darf (6).
Nachdem es mit dem Namen Urvinum Mataurense (7) römisches Municipium geworden ist (nach der Lex Julia Municipalis, die Cäsar im Jahre 46 v. Chr. billigte), gehört Urbino im 6. und 7. Jahrhundert, nach dem Zerfall des Weströmischen Reiches, zum Exarchat von Ravenna und zum Oströmischen Reich (8). Mit Cagli, Jesi, Fossombrone und Gubbio bildet es die Pentapolis annonaria, die zusammen mit der Pentapolis marittima (Rimini, Pesaro, Fano, Senigallia und Ancona) in den entstehenden Kirchenstaat eingegliedert wird. Nach der Schenkung von Sutri durch den Langobarden Liutprando an Papst Gregor II., breitet sich die weltliche Macht der Päpste schnell über einen großen Teil Mittelitaliens aus.
Zumindest unter juristischem Gesichtspunkt gehört Urbino also bis 1860 zum Kirchenstaat, aber wie viele andere Städte Mittelitaliens macht es einen Entwicklungsprozeß durch und entwickelt Formen von lokaler und städtischer Autonomie, wird mit eigenen Rechten ausgestattet und, wie fast alle Städte der feudalen Welt, unter die Autorität eines Bischofs gestellt. Nach dem Heiligen Römischen Reich und der Zeit der feudalen Anarchie, die auf die Absetzung Karls des Dicken (887) folgt, spitzt sich die Lage Italiens dramatisch zu. Während in Frankreich und Deutschland Nationalmonarchien entstehen, kann der italienische Feudalstaat seine Macht über den nördlichen und den mittleren Teil des Landes kaum behaupten, der von Gewalt und Auseinandersetzungen zwischen Feudalherren beherrscht wird, die nach der Krone Italiens streben, aber unfähig sind, neuen Invasoren wie Slawen, Ungarn und Sarazenen Widerstand zu leisten. Mit der Wiederherstellung des Reiches unter der Dynastie der Sachsen wird Italien nicht nur Teil des deutschen Reiches, sondern auch seine Bischöfe und Grafen erhalten Macht, um die Ordnung und die Macht des Herrschers zu schützen. Die immer stärkere Einmischung des Reiches in das Leben der Kirche und der damit einhergehende Investiturstreit zwischen Papst und Kaiser wird nach dem Jahr 1000 von einer Wiedergeburt der Städte begleitet, die sich um die Kathedrale und den Bischof sammeln und so ein wirtschaftliches und kulturelles Leben entwickeln und die Entstehung einer Mittelschicht von Adligen und neuen Grundbesitzern begünstigen, die zu der alten feudalen Abhängigkeit nicht bereit sind. Die gemeinsamen Interessen der Einwohner führen sie zu einem Zusammenschluß, den die Stadt darstellt. Die Wiedergeburt des Handels, der neue Umlauf des Geldes und eine immer intensivere Handwerkstätigkeit kennzeichnen um das 12. Jahrhundert nicht nur in Deutschland und Frankreich, sondern auch in Italien die Wiedergeburt der Städte. Der Gewinn immer stärkerer Macht durch den Feudalherren oder den Bischof beherrscht das 12. Jahrhundert: Während die Entwicklung der Städte in England, in Nordfrankreich und in Süditalien mit der einer starken und soliden Zentralgewalt verbunden ist, erlaubt das Fehlen einer solchen Gewalt den Städten in Nord- und Mittelitalien, in Deutschland, in der Provence und im Languedoc Sonderrechte, die denen eines souveränen Staates ähneln.
Urbino stellt wahrscheinlich schon im Mittelalter ein Zentrum von militärischer sowie von kultureller Bedeutung dar. Es besitzt nicht nur eine strategisch interessante geographische Lage (seit römischer Zeit hat es die Struktur einer befestigten Stadt mit soliden Stadtmauern), sondern führt auch ein intensives kulturelles und literarisches Leben geistiger Art, was durch die außerordentliche Sammlung religiöser Gedichte bewiesen wird, die der Laudario von Santa Croce der gleichnamigen Bruderschaft in Urbino darstellt (9).
Innerhalb der mittelalterlichen Stadt und ihrer institutionellen Strukturen, wo es zu starken Auseinandersetzungen und Gegensätzen zwischen den städtischen Organismen kommt, die auch durch den Aufstieg des Volkes begünstigt werden, reift in dem ständigen Kampf mit den Nachbarstädten und in der schwierigen Beziehung zur ländlichen Umgebung die Notwendigkeit einer stärkeren, dauerhafteren und einflußreicheren Macht als die des Podestà. Im Klima der Auseinandersetzungen, das Nord- und Mittelitalien zwischen 1200 und 1300 kennzeichnet, besteht die Gewohnheit, ein Richteramt (podestà oder capitano del popolo) mehrere Male derselben Person zu verleihen, was zum Aufstieg der signorie führt. Die zunehmende Erschöpfung der städtischen Richterämter, die ohne Macht und Selbständigkeit sind, die Konflikte, das Parteigängertum der einzelnen sozialen Gruppen und ihre korporative Dynamik hatten eine unendliche Reihe von inneren Auseinandersetzungen ausgelöst, die auch mit der Auseinandersetzung zwischen Guelfen und Ghibellinen zusammenhingen: Daher rührt das Bestreben, die alten Regierungsformen durch die Macht eines Einzelnen zu ersetzen, der eventuell auch in der Lage ist, das Gebiet mit Waffengewalt zu verteidigen. Aber der neue Herrscher sieht sich nicht nur gezwungen, einen Stadtstaat wiederherzustellen, sondern seine Macht auch auf andere Gebiete auszudehnen, um so ein größeres und wichtigeres staatliches Gebilde zu schaffen. Daraus folgt die Notwendigkeit, Bündnisse und politische und militärische Abkommen zu schließen.
Der Prozeß der territorialen Umbildung beginnt und findet für einige Städte bald wieder ein Ende, für andere festigt er sich und nimmt nach und nach die Eigenschaften einer signoria an. Das Ende der Kämpfe zur Bildung der wichtigsten italienischen Staaten, die sich über das ganze 14. Jahrhundert erstreckt hatte, wird 1454 mit dem Frieden von Lodi zwischen dem Mailänder Geschlecht der Sforza und Venedig erreicht (10). Es beginnt eine durch den Florentiner Cosimo de Medici geförderte Politik des Gleichgewichts, die von dem Bündnis mit Venedig zu dem mit den Sforza reicht, weil man ein starkes Mailänder Herzogtum für nötig hält, um die Macht Venedigs auszugleichen.
Was den Kirchenstaat und insbesondere die Lage Urbinos zu jener Zeit betrifft, sei daran erinnert, daß die Verlegung des päpstlichen Sitzes nach Avignon (1309-1378) und die Ereignisse des westlichen Schismas (1378-1449) die Macht des Papstes über die Gebiete des Staates so einschränken, daß eine Zeit der politischen Leere beginnt, die der Statthalter der Marca nicht mehr kontrollieren kann. Für die Städte und Herrscher besteht die Macht des Papstes nur dem Namen nach. Innozenz VI. versucht durch den Kardinal Egidio Albornoz (11) die Macht wiederherzustellen, um den örtlichen Herrschern die Städte des Kirchenstaates zu entziehen. Dieser Versuch, bei dem auch Waffengewalt eingesetzt wird, hat wichtige Folgen (wie z. B. die Investitur) für die Malatesta der Städte Rimini, Pesaro, Fano und Fossombrone. Die Malatesta stammten wie die Montefeltro aus derselben Gegend des Montefeltro. Die Geschichte dieser Herrscherfamilien ist in einer ständigen Auseinandersetzung verflochten, weil beide versuchen, ihren Besitz innerhalb der Kämpfe zwischen Papst und Kaiser auszuweiten.
Die aus Montecopiolo stammende Familie Montefeltro erscheint am Ende des 12. Jahrhunderts zum ersten Mal auf der italienischen Bühne. Um die schwierige Dynamik der Politik in unserem Land und vor allem in Mittelitalien zu verstehen, muß man sich noch einmal vergegenwärtigen, daß gerade der Konflikt zwischen Papst und Kaiser den Städten zu neuem Gewicht und einer neuen Rolle verhilft. So erklärt es sich, daß unter der Herrschaft des Staufers Friedrich II. zwei Mitglieder der Familie Montefeltro, Buonconte und Taddeo, Söhne Montefeltranos, die Grafschaft Urbino vom Kaiser als Belohnung für die militärische Hilfe im Kampf gegen die wiederhergestellte Lombardische Liga erhalten (12). Von nun an beginnt die Vereinigung des Umlands, eine schwierige Aufgabe, weil andere Familien versuchen, die Ausdehnung der Montefeltro einzuschränken oder zu verhindern. Während sich die Malatesta (Herrscher de iure über Rimini seit 1334) nach und nach entlang der Küste ausdehnen und Gradara, Pesaro, Fano, Senigallia, aber auch Fossombrone und Pergola im Hinterland besetzen und so das Gebiet der Herrscher von Urbino auf drei Seiten umgeben (13), herrschen die Brancaleone über die Massa Trabaria, die Gaboardi über Macerata Feltria und Certaldo. Die geopolitische Landkarte wird durch eine Unmenge von kleinen örtlichen Mächten mit einem Anspruch auf Legitimität zerstückelt, die sich mit ihrem militärischen Potenzial auf dem politischen Schachbrett bewegen und auf diese Weise die Vorherrschaft der einen oder der anderen Macht begünstigen (14). Am Ende des 14. Jahrhunderts grenzt die Grafschaft Urbino im Norden an Rimini, im Westen an die Massa Trabaria und den Apennin, während sie im Osten den unteren Lauf des Flusses Foglia umfaßt und sich im Süden bis nach Gubbio ausdehnt, das 1384 von Antonio di Montefeltro erobert wurde. Diese Eroberung ist von großer Bedeutung, weil es den Montefeltro den Zugang zum Tibertal ermöglicht und ihnen erlaubt, den Durchgang von Menschen und Waren nach Rom zu kontrollieren. Die Kontrolle über die an die Toskana grenzenden Gebiete wurde schon vorher ausgeübt. Am Ende des 14. und Beginn des 15. Jahrhunderts erlangt das Gebiet von Urbino eine immer stärkere Einheit unter der Herrschaft der Montefeltro, die darauf zielt, einen ersten soliden Kern einer staatlichen Struktur zu entwickeln. In diesen Jahren stellen sich die Truppen Urbinos auf Initiative des bedeutenden Kondottiere Guidantonio in den Dienst der stärksten politischen Kräfte und verschaffen der Stadt und seinem kleinen Gebiet nicht nur einen neuen Wohlstand, sondern auch eine politische Bedeutung. Dieses von Guidantonio hinterlassene Erbe machen sich seine direkten Nachfahren und insbesondere Federico zunutze.
Federico wird 1422 als unehelicher Sohn Guidantonios in Gubbio geboren. Nachdem der eheliche Sohn Guidantonios, Oddantonio, kurz über Urbino regiert hat, wird er 1444 in einer Palastverschwörung ermordet (15). Nach dem Tod seines zwei Jahre jüngeren Halbbruders ergreift Federico die Macht und wird von seinen Untertanen, denen er Treue zu den Statuten Urbinos schwören muß (16), mit Begeisterung aufgenommen.
Aber wer war Federico zur Zeit seiner Machtergreifung? Als unehelicher Sohn Guidantonios (über seine Geburt machen die Historiker verschiedene und unklare Angaben (17)) hatte er sich bei dem Tod des Bruders schon durch seine militärischen Unternehmungen hervorgetan und war auf der politischen Bühne der Zeit schon bekannt. In sehr jungem Alter war er von der Republik Venedig als Geisel verlangt worden, um den Frieden zwischen dem Herzog von Mailand, Filippo Maria Visconti (dessen Verbündeter Guidantonio war), und Papst Eugen IV. zu garantieren. Nach dem Umzug nach Mantua wegen Pestverdacht in der Lagunenstadt erlebt Federico zwei Jahre bedeutender Erziehung in dem "fröhlichen Haus" des Vittorino da Feltre (18), wo ihm das Ideal eines Lebens äußerster Würde und Selbstkontrolle, der Liebe zur Kunst und zur Kultur und des Interesses für den Menschen vermittelt wird. Nach der Heirat mit Gentile Brancaleoni (19), in deren Haus er aufgewachsen war, übernimmt er den Befehl über die Freischaren des Montefeltro (20) und stellt sich in den Dienst des Filippo Visconti. Die von Niccolò Piccinino erlernte militärische Kunst macht er sich bei den von Visconti gewollten militärischen Unternehmungen zunutze, aber auch um seinem Vater bei dessen ständigen Auseinandersetzungen mit den damals von Sigismondo Pandolfo angeführten Malatesta zu helfen. Den höchsten militärischen Ruhm erreicht Federico, als er den Malatesta 1441 die für uneinnehmbar gehaltene Burg von San Leo entreißt (21). Seine Tätigkeit als Kondottiere verschafft ihm nicht nur Ruhm und Ehren, sondern auch beträchtliche Einnahmen, was für seine Untertanen keine steuerlichen Belastungen bedeutet und in wenigen Jahren die finanziellen Probleme seines Staates löst. Dies ist ein bedeutender Unterschied zwischen dem Staat Federicos und den anderen größeren Staaten, ein Unterschied, den Ann Katherine Isaacs in einer wichtigen Arbeit zum Thema zu Recht hervorgehoben hat, indem sie feststellt:
Während in den größeren Staaten die öffentliche finanzielle Tätigkeit den Zweck hat, von den mehr oder weniger widerspenstigen Bevölkerungen Beträge zu verlangen, die zur Verteidigung oder eventuellen Expansionsversuchen dienen/.../, stammen die Steuergelder im Falle Urbinos von den anderen Staaten/.../. Das Gerüst eines großen Nationalstaates ist seine Fähigkeit, den notwendigen Konsens zu erhalten oder zu verlangen, um von einer breiten produktiven Basis die Gelder einzutreiben, die notwendig sind, um sein territoriales Gefüge und sein inneres Gleichgewicht zu erhalten. Das Gerüst des Staates der Montefeltro ist ein Konsens, der durch die Fähigkeit gewonnen wurde, sich einen Teil dieser Gelder zu sichern. Die tragende, einigende Struktur des Staates ist eine Art erweiterte Familie mit Verzweigungen, die alle Bereiche des Staates und alle sozialen Schichten erreichen. Aufgabe dieser Gruppe ist es, auf eigene Kosten, aber vor allem auf Kosten anderer Krieg zu führen. Die Kriegführung ist ein notwendiges Element des Zusammenhalts, aber auch die Plünderung. Die erstere wird durch die Steuergelder der größeren Staaten ermöglicht, die zweitere ist eine weitere Form der mit Gewalt erreichten Einnahme von den Reichtümern anderer Untertanen. Die Truppen ermöglichen die praktische Ausführung dieser Tätigkeiten; der Hof ist nicht nur einigender symbolischer Punkt, sondern auch Ort der Ausbildung und Verteilung der Früchte. Die inneren Strukturen, die diese Gruppe ihrem Staat gibt, ruhen auf einer vertraglichen Unbeweglichkeit: Einhaltung der Hingabevereinbarungen, geringe steuerliche Belastung, breite Teilnahme an der militärischen und Verwaltungstätigkeit (22).
Die Besonderheit des Staates Federicos besteht also darin, daß er seine eigene Kraft in seiner besonderen Ordnung findet, die der Herrscher der Beziehung zur Stadt, den Bewohnern und dem Hof geben kann. Abgesehen von der Verherrlichung, die man in den Werken seiner Biographen findet (23), muß man sicherlich betonen, daß das militärische, aber auch politische Ansehen, das Federico durch seine Kriegführung, durch sein ständiges Vermitteln im Kampf zwischen den Staaten und durch die seinen Herren entgegengebrachte Treue erlangt hatte, ein strukturelles Problem von beachtlichem Gewicht anzugehen und zu lösen erlaubt. Federico genießt eine vom Papst übertragene Macht. Sein Herrschertitel ist daher zeitlich befristet und wird vom Papst erneuert, der jedoch als Gegenleistung Pflichten und Dienste verlangt; außerdem stellt der Staat Urbino weiterhin ein Mosaik von Burgen und niedrigem Adel dar und besteht aus verschiedenen Orten und Gebieten, wo jedes Territorium eine eigene Regierung und ein eigenes Statut hat. Sich nicht mit den örtlichen Mächten zu verfeinden, sondern sie sogar an der Stärke und Größe des Staates mitwirken zu lassen, war eines der großen unbestreitbaren Verdienste Federicos, der natürlich podestà und Stellvertreter für die Verwaltung der örtlichen Mächte ernennt, ohne jedoch die Organe der Selbstregierung der Städte zu stören, und vor allem versucht, nicht nur die aristokratischen Kräfte, sondern auch das Volk für den Hof zu gewinnen.
Von 1444 bis 1450 ist Federico damit beschäftigt, eine staatliche Struktur zu schaffen. Er beherrscht die Rebellion einiger Lehnsherren, zieht den städtischen Adel an den Hof, er überwirft sich nicht mit dem Volk, weil er nicht gegen die statuarischen Prinzipien verstößt, sie aber in Wirklichkeit mittels Vertrauenspersonen umgeht, er entreißt Fossombrone den Malatesta und läßt Pesaro durch die Sforza besetzen (diese letzten Handlungen verstärken seine Feindschaft zu Sigismondo Pandolfo Malatesta). Dies alles kennzeichnet seine auf meisterhafte Weise vollendete Politik. Während Federico das Gebiet seines Staates geographisch festigt, regiert er es mit scheinbarer Liberalität, aber auch mit äußerster Stärke und persönlicher Entschlossenheit. Dieselbe Entschlossenheit zeigt er, als er die Sforza verläßt, weil der Herzog von Mailand auch Malatesti anwirbt. Im Jahre 1451 wechselt Federico, mittlerweile wegen einer Verletzung während eines Turniers auf dem rechten Auge blind (daher eine ganze Ikonographie von Profilen: Piero della Francesca, Pedro Berroguete, Francesco di Giorgio Martini, Giusto di Gand), in den Dienst der Aragon von Neapel, Verbündete Venedigs im Krieg gegen Mailand (1452). Federico beweist im Umgang mit dem schwierigen Herrscher von Aragon jene Fähigkeit zu vermitteln und jenes Taktgefühl, die ihm erlauben, wichtige diplomatische Handlungen zu Ende zu führen, vor allem nach dem Frieden von Lodi (1454) und der Bildung einer Lega italica (24) zur Unterstützung und zum Schutz einer Politik des Gleichgewichts zwischen den Staaten. So gelingt es ihm zum Beispiel, Giacomo Piccinino, Freischarenführer im Dienste des Königs von Neapel und auf der Suche nach einem eigenen Gebiet, die mit Gewalt besetzten Städte Assisi und Gualdo während des Interregnums zwischen dem Tod von Papst Callisto III. und der Wahl Pios II. zu verlassen (25). Der neue Papst schätzt das Werk des Montefeltro und beginnt mit ihm von nun an eine auf Achtung und Zusammenarbeit beruhende Beziehung. Noch wichtiger ist das Vermitteln Federicos zugunsten der Aragon gegen die von der Feudalität Neapels unterstützten Anjou. Federico gelingt es, daß die Sforza von Mailand, zu denen er wieder sehr gute Beziehungen hat, die aragonische Lösung befürworten, und nicht die der Anjou, die hingegen von den Malatesta unterstützt wird. Diese politische Fähigkeit Federicos wird von einem gesunden und praktischen Realismus begleitet; während er einen immer größeren Ruf als Vermittler erlangt, der es ihm erlaubt, Confaloniere der Lega italica zu werden, schützt er gleichzeitig die Interessen des eigenen Staates, indem er den Feind Malatesta noch mehr isoliert und mit den Sforza in Pesaro ein engeres Bündnis schließt, das durch die neue Heirat Federicos mit Battista Sforza, der Tochter Alessandros, Herrscher von Pesaro, und Nichte des Herzogs von Mailand, bekräftigt wird (26).
Der Schutz des Status quo gegenüber der Gier des Kirchenstaates, die zunimmt, als Paul II. den päpstlichen Thron besteigt und jene Vetternwirtschaft beginnt, die in den folgenden Jahren eine verhängnisvolle Rolle spielt, wird für Federico nicht nur eine praktische Notwendigkeit, bedingt durch seine Rolle in der Lega italica, sondern auch ein Akt politischer Weitsicht, denn er wußte, daß das Streben des Papstes nach Cesena und dann Rimini seinen Staat früher oder später eingeschränkt oder sogar vernichtet hätte. Es gelingt ihm, den Herrscher von Florenz, Lorenzo den Prächtigen, und die Aragonier daran zu beteiligen, aber nicht Galeazzo Maria Sforza, den neuen Herren von Mailand, dem er den Befehl über die Lega anvertraut, nachdem Federico selbst dem jungen Roberto Malatesta gegen die Bestrebungen des Papstes geholfen hatte. Die Entschlossenheit Federicos droht das mühsam erreichte Gleichgewicht zu stören, aber tatsächlich zwingt sie dazu, die Kräfte zu festigen und die Bündnisse zu überdenken, sie hilft ihm, neue Zustimmung, größere Macht und Ansehen zu erlangen. Der Ruhm dieses Mannes wächst zusammen mit seiner Stadt, wo die Bauwerke immer zahlreicher werden, wo der Bau des Palastes "in Form einer Stadt" zusammen mit dem in Gubbio und dem hohen Hof in Fossombrone fortschreitet, wo man, wie auch in anderen Orten des Territoriums, Festungen fertigstellt, die dem Genie des Francesco di Giorgio Martini anvertraut sind: Mondavio, Mondolfo, Santagatafeltria, Sassocorvaro, Frontone, Tavoleto (27).
Der Staat ist mittlerweile modern organisiert und besitzt einen Verwaltungsapparat, der fest in der Hand des Hofes ist; der Lebensstandard der Untertanen ist hoch für jene Zeit. Auf dem Höhepunkt seines Ruhmes gewährt ihm das Schicksal 1472 auch, von Battista den gewünschten männlichen Erben zu bekommen: Guidobaldo wird am 24. Januar wie sein Vater in Gubbio geboren.
Die Jahre von 1472 bis 1476 sind Jahre außerordentlichen Ruhmes, auch wenn sie durch den Schmerz wegen des Todes Battistas sechs Monate nach der Geburt des Erben getrübt werden. Ein Ruhm, der begleitet wird von seiner geschickten Fähigkeit als Vermittler und Soldat. Es fehlt ihm vielleicht nicht an Doppelzüngigkeit, was aber im Klima von Haß, Verdacht und Machenschaften, das die italienische Politik beherrschte, durchaus verständlich ist. Aus den Briefen von Francesco Prendilacqua an den Herrscher von Mantua, diesen jungen Schüler des Vittorino da Feltre, der von seinem Markgrafen nach Urbino geschickt wurde, geht hervor, daß Urbino zu jener Zeit nicht nur ein Zentrum ist, um das sich die zerbrechlichen Gleichgewichte der italienischen Politik bewegen, sondern auch ein mögliches Gebiet für die Analyse der schwierigen Kunst der Politik (28). Es sind Jahre des Erfolgs, die 1474 zur Verleihung der Herzogswürde durch Sixtus IV. führen, der auch daran interessiert war, mit den Montefeltro enge verwandtschaftliche Beziehungen zu knüpfen, und zur Verleihung des Hermelinordens, der höchsten aragonischen Auszeichnung.
Die problematischen Beziehungen zwischen Federico und dem Papst, der Aufstieg einer so bedeutenden Signoria trotz der geringen geographischen Homogenität und das andauernde Bestehen von lokalen Autonomien, was Steuern, Verwaltung und Rechtsprechung betrifft, erklären sich dadurch, was Chittolini als die Topoi des Mythos Federicos bezeichnet: Kriegführung, Bauwerke, Hof; eine Lebens- und Regierungsart, die die Untertanen an dem durch die Kriegführung erworbenen Wohlstand beteiligt und sie nicht nur durch die direkten Kontakte miteinbezieht, sondern durch die Verteilung von Vorteilen, Gnade und Ämtern und durch die Verwandlung des Hofes in einen Ort des Glanzes und der Macht.
Der letzte Akt seiner Tätigkeit als Soldat und geschickter und erfahrener Politiker hat den Krieg zum Hintergrund, den Venedig gegen Ferrara führt. Nach vergeblichen und aufreibenden Versuchen, einen Konflikt zu verhindern, der durch die persönlichen Absichten der beiden "jungen Flegel" verursacht wird, wie Federico Roberto Malatesti und Girolamo Riario, Herrscher von Forlì und Lieblingsneffe von Papst Sixtus IV., nennt (29), übernimmt Federico die Führung der Lega italica in einem Krieg, der gleichzeitig an mehreren Fronten und mit wechselndem Erfolg geführt wird:
Mentre così ardeva la guerra, e non meno ardeva la State malsana, o per alla mala qualità dellaria offesa da vapori grossi, e putridi di alcune paludi vicine, o per cagione dellacque infami, che vi si bevevano, o per gli caldi eccessivi, che riverberavano da que luoghi bassi, e pantanosi, o vero come è credibile da tutte le dette cagioni insieme, la stagione cominciò a scoprirsi nociva, e pestitlente: la malignità della quale con maggior forza, senza alcun dubbio incrudeliva ne corpi, trovandogli male affetti per gli patimenti, e disagi, che sogliono portar seco le guerre/.../Laonde Federigo si doleva tratto, tratto di veder morire sì miseramente i suoi soldati, ed in particolare quegli, che di giorno in giorno gli venivano rimessi dallo Stato, e perciò fu più duna volta udito rammaricarsi, e dire, pesargli molto, che per cagione di lui, già vecchio, e malsano, si consumasse il fiore delle genti, e la gioventù de suoi sudditi. Ma egli, che si doleva del male altrui, tosto diede occasione altrui di dolersi del suo; perciò che intorno al principio di giugno cadde infermo/.../. Morì egli un giorno di Martedì, che fu il decimo di settembre, essendo, di età che passava i sessantanni, di tre mesi, e tre giorni (30).
So erinnert ein später Biograph Federicos, Bernardino Baldi, an das Ende des Herzogs. Nach seinem Tod bestimmen der Stellvertreter, Ottaviano degli Ubaldini, und der Regentschaftsrat das Schicksal des Herzogtums im Namen des damals erst zehnjährigen Erben Guidobaldo. Die freundschaftlichen und militärischen Beziehungen, die Federico während seiner langen Tätigkeit als Kondottiere aufzubauen gewußt hatte, bestehen weiter, und auch wenn die Einnahmen geringer sind, erlauben sie doch, die Arbeiten am Palast und an den Festungen fortzuführen, die, wie schon gesagt, dem Architekten Francesco di Giorgio Martini anvertraut waren.
Für den jungen Guidobaldo, "einen gottähnlichen Menschen", wie ihn Poliziano beschreibt, beginnen bald private Probleme und politische Schwierigkeiten, die mit dem Streben des Papstes nach dem Herzogtum zusammenhängen. Diese werden konkret, als Cesare Borgia, genannt Valentino, Sohn des Papstes Alexander VI., im Juni 1502 Urbino besetzt und kostbare Gegenstände und einen Teil der Bibliothek plündert. Eine Koalition der Herrscher Mittelitaliens erlaubt Guidobaldo, im Oktober nach Urbino zurückzukehren.
Die Seiten des Cortegiano, die das Thema Mythos der Vollkommenheit in jedem Tätigkeitsbereich Guidobaldos einführen, zeugen auch von dem Klima heiterer und gelehrter Konversation, der raffinierten und melancholischen Eleganz des neuen Herzogs und lobpreisen mit den angenehmen Bemerkungen eines autobiographischen Erlebnisses den geliebten Hof von Urbino.
Mit dem Tod Guidobaldos im Jahre 1508 geht das Herzogtum an Francesco Maria della Rovere, Sohn des Giovanni della Rovere, Neffe des Papstes, und der Giovanna di Montefeltro, Tochter Federicos und Schwester Guidobaldos (31). Mit dem Aussterben dieser Familie im Jahre 1631 kommt es zur Annexion des Herzogtums Urbinos durch den Kirchenstaat.
2. DAS KULTURELLE LEBEN IN URBINO:
LITERATUR, MATHEMATIK, MUSIK, MALEREI
Schon am Hofe Antonios (1377-1404) besteht in Urbino ein lebhaftes Interesse an der Literatur in Vulgärsprache, die ihren Ursprung in der Toskana hat und einen wahren Dante-Kult zu begünstigen scheint (32). Auch wenn von dieser Kuriosität als Zeugen ausschließlich die im alten Index der Bibliothek Federicos zitierten Bücher übrigbleiben, die auf die Zeit Antonios zurückgehen, wird die kulturelle Tätigkeit doch schon während seiner Regierung vom Herrscher und seiner Familie als Förderung, als Eigenpropaganda und als sozialer Zusammenhalt verstanden. Die Kultur der Zeit Antonios war noch verspätet, nebensächlich und ganz darauf ausgerichtet, die letzten Überreste der toskanischen Kultur des 14. Jahrhunderts aufzunehmen. Mit Guidantonio sind die Veränderungen lebhafter, und die Anwesenheit bedeutender Intellektueller in Urbino nimmt zu. Auch Guidantonio findet Gefallen am Dichten, wie auch seine Schwester Battista, Autorin von etwa zwanzig Gedichten mit moralischen und religiösen Motiven (33). Ihr widmet Leonardo Bruni De Studiis et litteris, wo die Grundlagen für die Erziehung eines Mädchens genau erklärt werden, und Vespasiano da Bisticci lobpreist sie in De claris mulieribus. Als sie im Alter von 19 Jahren Galeazzo Malatesta, den Herrscher von Pesaro, heiratet, wird der Schwiegervater, ein gebildeter Mann und Dichter, ihr bevorzugter Gesprächspartner. In Pesaro hat Battista natürlich auch die Gelegenheit, die aus Florenz kommende, neuartige Kultur kennenzulernen (wir erinnern daran, daß Coluccio Salutati in engem brieflichem Kontakt mit dem Herrscher von Pesaro stand). Battistas Briefe an die Mutter, die Schwester Anna und die Schwägerin Rengarda Malatesta bezeugen nicht nur eine klassische Bildung, sondern auch eine bedeutende kulturelle Neugier sowie Züge eines christlichen Humanismus, der eine Konstante am Hof von Urbino sein wird. Herrscher und Beamte üben die dichterische Tätigkeit außer aus einem wirklichen Interesse auch in dem genauen Bewußtsein einer wahren Kulturpolitik aus (34).
Die Anwesenheit italienischer Intellektueller und Literaten und ein immer lebhafterer kultureller Austausch bewirken in Urbino eine radikale Veränderung in der Lyrik, die bis dahin klassizistischer und moralischer Art war. Ein Beispiel dafür ist das Werk Angelo Gallis (ca. 1395 - ca. 1459), Sekretär des Oddantonio, später des Federico und des Ottaviano degli Ubaldini, "Mitherrscher und wahrer Begründer des kulturellen Lebens in Urbino" (35). Da Angelo Galli im Auftrag der Herzöge ständig in Mission ist, kommt er bald mit den wichtigsten politischen Zentren Italiens in Berührung und erkennt den Sinn und den Wert der sozialen Integration, den die Ausformung einer höfischen Dichtung mit sich bringt. Sein Canzoniere, der aus 323 Sonetten, 15 Kanzonen, 6 Sestinen und einem Kapitel in Terzinen besteht, weist eine extreme Vielfalt von Themen auf, die von der Religion über die Liebe und den Hof bis zur Lobpreisung reichen, führt neue Stilmittel ein und bietet sich als Beispiel für eine lyrische Sprache an, die in der Emilia und im Montefeltro verbreitet ist, aber in Pesaro und Urbino einen ganz eigenen Charakter hat. Die besondere Struktur, die Neuartigkeit des Canzoniere Gallis (36), die natürliche Begabung, ein buntes Bild der Umgebung und eine genaue soziale Wirklichkeit wiederzugeben, wurden sicher durch die Anwesenheit von Giusto de Conti da Valmontone in der Marca Anconitana beeinflußt. Giusto de Conti, der vom Papst als Vermittler zwischen den Montefeltro und den Malatesta geschickt wurde, war ein persönlicher Freund Gallis. Sein Canzoniere, La Bella mano, der 1472 in Bologna veröffentlicht wurde, beeinflußt zutiefst die Verbreitung des lyrischen Modells Petrarcas, eines Modells, das gewiß seine Einheit und seine Bildhaftigkeit verloren hat. Aber auch wenn es sich thematisch und lexikalisch abgeschwächt hat, bewirkt es doch einen Prozeß der Lexikalisierung, die ihren weitverbreiteten Gebrauch in der ganzen italienischen Lyrik der Zeit erlaubt.
Mit der Herrschaft Federicos scheint sich das Interesse für die Lyrik zu erschöpfen. Die Gründe sind nicht nur in der geringen Liebe des Herzogs für diese Gattung zu suchen, sondern auch in den besonderen Umständen am Hof von Urbino: Federico ist oft abwesend und mit militärischen Aufgaben beschäftigt, die Leitung der Regierung ist Ottaviano degli Ubaldini anvertraut und am Hof sind Fürstinnen anwesend, die zwar gebildet sind, aber nicht die kulturelle Rolle spielen wie später Elisabetta, die Gemahlin Guidobaldos.
Die wahre politische Größe Federicos geht über seine Tätigkeit als Krieger und Diplomat hinaus und liegt vielleicht in dem Ansehen, das er Urbino verschafft hat, indem er aus einem kleinen Ort und aus seinem Hof ein humanistisches Zentrum schlechthin gemacht hat, ein Zentrum, wo in einem unendlichen Wunsch nach Vollkommenheit alle Wege zur Einheit und zur Vollständigkeit des Menschen führten. Die Lehre Vittorino da Feltres scheint fast jede Initiative Federicos auf die Suche nach dem Bild zu richten, das der Herzog von sich und seinem Werk hinterlassen will, indem er Urbino zu einem bedeutenden kulturellen Bezugspunkt macht. Was von Anfang an die Kulturpolitik Federicos kennzeichnet, ist das wachsende Interesse für die humanistische Kultur, die schon 1455 mit der Wahl Martino Fileticos als Erzieher Buoncontes, des unehelichen Sohns Federicos, und Berardinos, des Sohns von Ottaviano degli Ubaldini, ausgedrückt wird. In Urbino schreibt Filetico die dem Herzog gewidmeten Iocundissime disputationes (37). Nach dem Tod der beiden Knaben und dem Wechsel an den Hof von Pesaro als Erzieher Battistas hat Martino Filetico weiterhin sehr gute Beziehungen zum Hof der Montefeltro, was seine Rückkehr nach Urbino nach der Heirat von Battista und Federico im Jahre 1460 begünstigt. Während sich die Lobpreisungen und die Widmungen der Dichter und Humanisten häufen, entstehen die zahlreichen Biographien über den Herzog (von den zeitgenössischen sei hier zumindest an die von Francesco Filelfo, Commentarii de la vita et rebus gestis Federici Comitis, die Cronaca in Reimen von Giovanni Santi, dem Vater Raphaels, und an die Gedichte in Oktaven von Antonio Nuti erinnert (38)). Außerdem wächst das Interesse Federicos für die Mathematik. Der Kunsthistoriker André Chastel hat den Ausdruck "mathematischer Humanismus" benutzt, um den typischen Charakter der kulturellen Diskussion im Urbino der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu definieren. Ihm zufolge soll Urbino sogar der Mittelpunkt des mathematischen Humanismus gewesen sein (39). Gewiß verkehren am Hofe Federicos Persönlichkeiten ersten Ranges: Luca Pacioli (1445-1514), berühmter Mathematiker und Autor einer Summa der theoretischen und praktischen Arithmetik und Geometrie, die 1494 mit einer Widmung an den Herzog Guidobaldo in Venedig veröffentlicht wurde (40); Piero della Francesca, der nicht nur ein außergewöhnlicher Maler, sondern auch ein großer Mathematiker war; der Sieneser Francesco di Giorgio Martini, der als Architekt im zivilen und militärischen Bereich den Herzogspalast vollendet, an den strategischen Punkten des Herzogtums Festungen mit einer neuen Konzeption errichtet und Maschinen und Vorrichtungen entwirft, die ihn zu einem Vorläufer Leonardos machen; der Holländer Paulus von Middelburg (1446-1534), Bischof von Fossombrone, Arzt der Herzöge und Befürworter einer Kalenderreform, wegen der er von Kopernikus im Vorwort zu De revolutionibus erwähnt wird. "Von Geometrie und Arithmetik besaß er (Federico) gute Kenntnisse, und er hatte an seinem Hof den deutschen Meister Paulus, einen großartigen Philosophen und Astrologen (41)": so erwähnt Vespasiano da Bisticci im Commentario de la vita del signore Federico, duca dUrbino Paulus von Middelburg, der mit humanistischen Kreisen in Padua in Verbindung stand und Freund und Korrespondent Marsilio Ficinos war. Außerdem hielt sich in Urbino auch Guglielmo Raimondo Moncada auf, der mit dem "Kabbalisten und Orientalisten" Flavio Mitridate identisch ist und Meister Giovanni Picos war. Ihm verdanken wir Übersetzungen astrologischer Werke aus dem Arabischen. Die Astrologie beeinflußt nicht nur die Anordnung von Palästen und Wohnungen, sondern auch die technischen Lösungen Francesco di Giorgios. Astrologische und kabbalistische Zeichen finden wir auch im Palast. Außerdem entsprechen den astrologischen Anordnungen vielleicht die Anordnung der Räume und Fenster.
In dem ideologisch-kulturellen System des Hofes hatte auch die Musik eine große Bedeutung und die Prinzipien der Harmonie, des Gleichgewichts und des Maßes, auf die sich die Gestalt des Fürsten und seiner Regierung gründet, sind auch die Grundlage eines komplexen Systems von Bildern, Symbolen und musikalischen Metaphern. Für diese kürzlich von Nicoletta Guidobaldi (42) untersuchte figurativ-musikalische Dimension können als Beispiele die Justus van Gent zugeschriebene Allegorie der Musik oder die Intarsien des Studierzimmers genannt werden, die Musikinstrumente und zwei musikalische Kompositionen darstellen: der Chanson Jay prins amours und die Motette Bella gerit. Es ist bekannt, daß am Hofe Federicos zahlreiche Kapellsänger, Sängerknaben, flämische Musiker und Orgelspieler tätig waren. Gerade im zweiten Gesang des ersten Gedichts des schon erwähnten Antonio Nuti ist von Sängern, die sich "wie am Hof eines Papstes, Königs oder Kaisers" aufhalten, und von einer Musikkapelle die Rede, die schon 1480 bestanden hat.
Die Stadt war schon am Anfang des 15. Jahrhunderts auch ein wichtiger Begegnungsort für Maler der Gegend und angrenzender Gebiete geworden. Außer dem Hof, der Mittelpunkt kultureller Bildung und Auftraggeber war, boten auch die Bruderschaften Raum für kulturelle Initiativen, die aber immer mit dem Hof verbunden waren. Vasari zufolge soll Piero della Francesca im Alter von nur 15 Jahren von Guidantonio nach Urbino gerufen worden sein. Auch wenn diese Behauptung fragwürdig erscheinen mag, so finden doch dank der intelligenten Weitsicht des Ottaviano degli Ubaldini auch im Bereich der Malerei die Neuheiten jenseits der Alpen und vor allem die flämische Kunst eine deutliche Beachtung. Justus van Gent wurde nach Urbino gerufen, um ein Altarbild zu vollenden, für das Paolo Uccello zwischen 1467 und 1469 die Predelle mit der Entweihung der Hostie gemalt hatte und das sich heute im Herzogspalast befindet (43). In diesem großen Altarbild, das die Apostelkommunion darstellt, verbindet er auf gelungene Weise die mikrographischen Techniken, die raffinierte Eleganz, die Wahl der Farben und die Lichteffekte der flämischen Maler mit den strengen wissenschaftlichen Auffassungen des Raumes Piero della Francescas. Das Gemälde ist auch wegen der Anwesenheit Federicos interessant, der sich mit einem Mann in orientalischem Gewand unterhält, vielleicht ein jüdischer Arzt und Botschafter des Schahs von Persien. Der kleine Guidobaldo ist im Arm seiner Amme dargestellt. Abgesehen von dem lobpreisenden Charakter ist gerade die Anwesenheit eines Juden bedeutend, was nicht nur das am Hofe Federicos wirksame Interesse für die jüdische Kultur beweist, sondern auch eine auffällige Reduzierung judenfeindlicher Motive in dem Bild Paolo Uccellos darstellt, wo das ziemlich verbreitete Motiv der Entweihung der Hostie durch einen Juden wiederaufgenommen wird. Die Erzählkunst der Predelle, ihre außergewöhnliche perspektivische Wirkung und ihre Märchenhaftigkeit unterscheiden sich von dem prunkvollen und preisenden Geschmack des mit der Predelle verbundenen Gemäldes Justus van Gents. Dem Maler verdanken wir auch einen Teil der Porträtreihe Berühmter Männer, die das Studierzimmer Federicos schmückte. Wenn sich im Studierzimmer die flämische Kunst auf geschickte Weise mit den perspektivischen Studien der italienischen Kunst verbindet, scheint sie sich in der Malerei mit den Eindrücken und Verweisen auf die Kunst Urbinos und Melozzo da Forlìs, eines Schülers Piero della Francescas, zu vereinigen. An dieser Stelle sei an Melozzos Gemälde Die Dialektik und der Herzog von Urbino erinnert, das den Herzog knieend vor der Allegorie des Wissens darstellt und im Zweiten Weltkrieg in Berlin zerstört wurde.
An den Arbeiten am Studierzimmer, die sich von 1472 bis 1476 hinzogen, waren Künstler wie Botticelli und Francesco di Giorgio beteiligt, denen wir die Entwürfe der Intarsien verdanken, die dann von den Gehilfen Baccio Pontellis, Justus van Gents und Pedro Berruguetes ausgeführt wurden. Von dem letzteren stammt das Porträt des lesenden Federico da Montefeltro mit seinem Sohn Guidobaldo aus dem Jahre 1476/77. Der Herzog wird hier mit den Adelsinsignien, dem vom König von Neapel verliehenen Hermelinorden und dem vom König von England verliehenen Hosenbandorden, als Krieger und Kulturmensch dargestellt, was sein Ansehen bei anderen Herrschern unterstreichen soll. Die Gestalt des Herzogs ist eindrucksvoll, erhaben und trotz der unbeweglichen Haltung energisch, dank einem geschickten Gebrauch von Farbe, Licht und Linien.
Die Ankunft Pieros in Urbino aus seiner Geburtsstadt Sansepolcro markiert einen bedeutenden Wendepunkt im Kunstgeschmack des Hofes. Zu den in Urbino entstandenen Werken gehört die Geißelung, über deren Interpretation und Chronologie weiterhin Zweifel bestehen. Lange Zeit glaubte man, in dem Knaben in der Mitte des Bildes die Gestalt des von schlechten Beratern umgebenen Herzogs Oddantonio zu erkennen. Diese These würde zu einer Datierung nach der Verschwörung der Serafini (1444) führen, bei der Oddantonio den Tod fand. Neuere Studien neigen jedoch dazu, in dem Knaben den unehelichen Sohn Federicos, Buonconte, zu erkennen, während der rechte Jüngling Giovanni Bacci, Podestà Gubbios, und der linke den Kardinal Bessarione darstellen soll. Das Werk würde so eine politisch-religiöse Dimension erhalten, eine Art Aufforderung an Federico, eine Expedition gegen die Türken zu unterstützen. Eine andere, von Carlo Ginzburg vorgeschlagene Datierung (44) führt das Werk auf die Jahre 1459/60 zurück, was mit Pieros Wiederaufnahme der Arbeiten an den Fresken in Arezzo nach der Unterbrechung in Rom zusammenfallen würde. In dem Diptychon mit den Porträts der Herzöge von Urbino, die aus dem Jahre 1474 stammen und sich heute in den Uffizien befinden, weisen die Profile Federicos und seiner Gemahlin Battista Züge eines flämischen Realismus auf, Züge, die die Kostbarkeit des Schmucks und die Details der Kleidung hervorheben. Die Eigenschaften des Mannes, des Kondottieres, des Mäzens scheinen aus dem Bild hervorzustechen, das, wie übrigens auch das Battistas, eine genaue geometrische Stilisierung aufweist. Auf der Rückseite des Diptychons sieht man eine Landschaft und die allegorische Darstellung der Triumphe der Herzöge, die auf von Amoretten geführten Wagen erscheinen. Aus derselben Zeit soll das Altarbild von San Bernardino stammen, das sich heute in der Mailänder Brera befindet. Auch dieses Gemälde gibt immer noch Anlaß zu verschiedenen Interpretationen, die versuchen, die symbolische Bedeutung des über der Madonna hängenden Straußeneis und der dargestellten Personen zu ergründen, in denen man vielleicht herausragende Persönlichkeiten des Urbinater Hofes erkennen kann. Federico kniet in diesem Bild, und das einfallende Licht hebt Details seiner Rüstung hervor, während die Anordnung der Figuren und das architektonische Spiel, in dem sie sich befinden, sofort an die mathematische Strenge und die Perspektive Pieros erinnert, der auch Autor der beiden Traktate De perspectiva pingendi und De corporibus regularibus ist. Die berühmte ideale Stadt stammt einigen Kunsthistorikern zufolge aus den 80er Jahren, anderen zufolge aus den ersten zwanzig Jahren des 16. Jahrhunderts. Was die Zuschreibung des Bildes betrifft, das mit denen in Baltimore und Berlin im Zusammenhang steht, gibt es viele gegensätzliche Vorschläge (Laurana, Piero della Francesca, Donato Bramante, Francesco di Giorgio Martini). Alle heben jedoch die Bedeutung und die Beziehung zwischen malerischen Studien und mathematischen Kenntnissen hervor. Außerdem sei daran erinnert, daß Luca Pacioli, der Autor der Summa de Arithmetica mit dem Herzog Guidobaldo in einem Gemälde von Jacopo de Barbari aus dem Jahre 1495 dargestellt ist. Mit dieser harmonischen Mischung aus mathematischer Kultur und flämischem Realismus hatte die Urbinater Kunst eine Vollkommenheit erreicht, auf die Giovanni Santi in der Disputa de la pictura seiner Cronica hinweist (45). In letzter Zeit wird dem Maler Giovanni Santi, dem Vater Raffaels, der hier bis jetzt nur als Dichter Erwähnung fand, von den Gelehrten wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt, wie etwa Dubois und Varese, die ihn zu den berühmtesten Vertretern der Urbinater Malerei des 15. Jahrhunderts zählen (46). Giovanni Santi arbeitete nicht für Federico, sondern für seinen Sohn Guidobaldo und Elisabetta Gonzaga (47). Es gilt als fast sicher, daß sechs der Musen von ihm stammen, die den gleichnamigen Tempietto neben der Cappella del perdono ("Kapelle der Vergebung") schmückten; beide liegen bezeichnenderweise in dem Geschoß unter dem Studierzimmer. Für Guidobaldo hat Raffael wahrscheinlich die Porträts des Herzogs Guidobaldo, seiner Gemahlin Elisabetta (heute in den Uffizien) sowie das verloren gegangene Porträt Pietro Bembos gemalt, der sich 1506 in Urbino aufhielt. Raffael stand wahrscheinlich mit dem in Urbino tätigen Meister Timoteo Viti in Kontakt, den er später nach Rom rief, um die Kirche Santa Maria della Pace auszuschmücken.
Eine andere Figur, an die wir in dieser kurzen Skizze der Urbinater Kunst erinnern wollen, ist Girolamo Genga, ein Vertreter des vielseitigen Genies der Renaissance. Seine Tätigkeit als Bühnen- und Kostümbildner findet ihren Höhepunkt in der Inszenierung der Calandria des Kardinals Bibbiena, die am 6. Februar 1513 im Thronsaal des Herzogspalastes aufgeführt wurde. Auch Feste wurden zu einem bewußten instrumentum regni. Aufführungen fanden häufig statt, vor allem bei Hochzeiten oder Besuchen wichtiger Gäste. Eine Aufführung allegorischer Art über den Triumph der reinen Liebe war 1474 von Giovanni Santi anläßlich des Aufenthalts Federicos von Aragon, Thronfolger des Königs von Neapel, aufgeführt worden (48).
2. DAS KULTURELLE LEBEN IN URBINO:
LITERATUR, MATHEMATIK, MUSIK, MALEREI
Schon am Hofe Antonios (1377-1404) besteht in Urbino ein lebhaftes Interesse an der Literatur in Vulgärsprache, die ihren Ursprung in der Toskana hat und einen wahren Dante-Kult zu begünstigen scheint (32). Auch wenn von dieser Kuriosität als Zeugen ausschließlich die im alten Index der Bibliothek Federicos zitierten Bücher übrigbleiben, die auf die Zeit Antonios zurückgehen, wird die kulturelle Tätigkeit doch schon während seiner Regierung vom Herrscher und seiner Familie als Förderung, als Eigenpropaganda und als sozialer Zusammenhalt verstanden. Die Kultur der Zeit Antonios war noch verspätet, nebensächlich und ganz darauf ausgerichtet, die letzten Überreste der toskanischen Kultur des 14. Jahrhunderts aufzunehmen. Mit Guidantonio sind die Veränderungen lebhafter, und die Anwesenheit bedeutender Intellektueller in Urbino nimmt zu. Auch Guidantonio findet Gefallen am Dichten, wie auch seine Schwester Battista, Autorin von etwa zwanzig Gedichten mit moralischen und religiösen Motiven (33). Ihr widmet Leonardo Bruni De Studiis et litteris, wo die Grundlagen für die Erziehung eines Mädchens genau erklärt werden, und Vespasiano da Bisticci lobpreist sie in De claris mulieribus. Als sie im Alter von 19 Jahren Galeazzo Malatesta, den Herrscher von Pesaro, heiratet, wird der Schwiegervater, ein gebildeter Mann und Dichter, ihr bevorzugter Gesprächspartner. In Pesaro hat Battista natürlich auch die Gelegenheit, die aus Florenz kommende, neuartige Kultur kennenzulernen (wir erinnern daran, daß Coluccio Salutati in engem brieflichem Kontakt mit dem Herrscher von Pesaro stand). Battistas Briefe an die Mutter, die Schwester Anna und die Schwägerin Rengarda Malatesta bezeugen nicht nur eine klassische Bildung, sondern auch eine bedeutende kulturelle Neugier sowie Züge eines christlichen Humanismus, der eine Konstante am Hof von Urbino sein wird. Herrscher und Beamte üben die dichterische Tätigkeit außer aus einem wirklichen Interesse auch in dem genauen Bewußtsein einer wahren Kulturpolitik aus (34).
Die Anwesenheit italienischer Intellektueller und Literaten und ein immer lebhafterer kultureller Austausch bewirken in Urbino eine radikale Veränderung in der Lyrik, die bis dahin klassizistischer und moralischer Art war. Ein Beispiel dafür ist das Werk Angelo Gallis (ca. 1395 - ca. 1459), Sekretär des Oddantonio, später des Federico und des Ottaviano degli Ubaldini, "Mitherrscher und wahrer Begründer des kulturellen Lebens in Urbino" (35). Da Angelo Galli im Auftrag der Herzöge ständig in Mission ist, kommt er bald mit den wichtigsten politischen Zentren Italiens in Berührung und erkennt den Sinn und den Wert der sozialen Integration, den die Ausformung einer höfischen Dichtung mit sich bringt. Sein Canzoniere, der aus 323 Sonetten, 15 Kanzonen, 6 Sestinen und einem Kapitel in Terzinen besteht, weist eine extreme Vielfalt von Themen auf, die von der Religion über die Liebe und den Hof bis zur Lobpreisung reichen, führt neue Stilmittel ein und bietet sich als Beispiel für eine lyrische Sprache an, die in der Emilia und im Montefeltro verbreitet ist, aber in Pesaro und Urbino einen ganz eigenen Charakter hat. Die besondere Struktur, die Neuartigkeit des Canzoniere Gallis (36), die natürliche Begabung, ein buntes Bild der Umgebung und eine genaue soziale Wirklichkeit wiederzugeben, wurden sicher durch die Anwesenheit von Giusto de Conti da Valmontone in der Marca Anconitana beeinflußt. Giusto de Conti, der vom Papst als Vermittler zwischen den Montefeltro und den Malatesta geschickt wurde, war ein persönlicher Freund Gallis. Sein Canzoniere, La Bella mano, der 1472 in Bologna veröffentlicht wurde, beeinflußt zutiefst die Verbreitung des lyrischen Modells Petrarcas, eines Modells, das gewiß seine Einheit und seine Bildhaftigkeit verloren hat. Aber auch wenn es sich thematisch und lexikalisch abgeschwächt hat, bewirkt es doch einen Prozeß der Lexikalisierung, die ihren weitverbreiteten Gebrauch in der ganzen italienischen Lyrik der Zeit erlaubt.
Mit der Herrschaft Federicos scheint sich das Interesse für die Lyrik zu erschöpfen. Die Gründe sind nicht nur in der geringen Liebe des Herzogs für diese Gattung zu suchen, sondern auch in den besonderen Umständen am Hof von Urbino: Federico ist oft abwesend und mit militärischen Aufgaben beschäftigt, die Leitung der Regierung ist Ottaviano degli Ubaldini anvertraut und am Hof sind Fürstinnen anwesend, die zwar gebildet sind, aber nicht die kulturelle Rolle spielen wie später Elisabetta, die Gemahlin Guidobaldos.
Die wahre politische Größe Federicos geht über seine Tätigkeit als Krieger und Diplomat hinaus und liegt vielleicht in dem Ansehen, das er Urbino verschafft hat, indem er aus einem kleinen Ort und aus seinem Hof ein humanistisches Zentrum schlechthin gemacht hat, ein Zentrum, wo in einem unendlichen Wunsch nach Vollkommenheit alle Wege zur Einheit und zur Vollständigkeit des Menschen führten. Die Lehre Vittorino da Feltres scheint fast jede Initiative Federicos auf die Suche nach dem Bild zu richten, das der Herzog von sich und seinem Werk hinterlassen will, indem er Urbino zu einem bedeutenden kulturellen Bezugspunkt macht. Was von Anfang an die Kulturpolitik Federicos kennzeichnet, ist das wachsende Interesse für die humanistische Kultur, die schon 1455 mit der Wahl Martino Fileticos als Erzieher Buoncontes, des unehelichen Sohns Federicos, und Berardinos, des Sohns von Ottaviano degli Ubaldini, ausgedrückt wird. In Urbino schreibt Filetico die dem Herzog gewidmeten Iocundissime disputationes (37). Nach dem Tod der beiden Knaben und dem Wechsel an den Hof von Pesaro als Erzieher Battistas hat Martino Filetico weiterhin sehr gute Beziehungen zum Hof der Montefeltro, was seine Rückkehr nach Urbino nach der Heirat von Battista und Federico im Jahre 1460 begünstigt. Während sich die Lobpreisungen und die Widmungen der Dichter und Humanisten häufen, entstehen die zahlreichen Biographien über den Herzog (von den zeitgenössischen sei hier zumindest an die von Francesco Filelfo, Commentarii de la vita et rebus gestis Federici Comitis, die Cronaca in Reimen von Giovanni Santi, dem Vater Raphaels, und an die Gedichte in Oktaven von Antonio Nuti erinnert (38)). Außerdem wächst das Interesse Federicos für die Mathematik. Der Kunsthistoriker André Chastel hat den Ausdruck "mathematischer Humanismus" benutzt, um den typischen Charakter der kulturellen Diskussion im Urbino der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zu definieren. Ihm zufolge soll Urbino sogar der Mittelpunkt des mathematischen Humanismus gewesen sein (39). Gewiß verkehren am Hofe Federicos Persönlichkeiten ersten Ranges: Luca Pacioli (1445-1514), berühmter Mathematiker und Autor einer Summa der theoretischen und praktischen Arithmetik und Geometrie, die 1494 mit einer Widmung an den Herzog Guidobaldo in Venedig veröffentlicht wurde (40); Piero della Francesca, der nicht nur ein außergewöhnlicher Maler, sondern auch ein großer Mathematiker war; der Sieneser Francesco di Giorgio Martini, der als Architekt im zivilen und militärischen Bereich den Herzogspalast vollendet, an den strategischen Punkten des Herzogtums Festungen mit einer neuen Konzeption errichtet und Maschinen und Vorrichtungen entwirft, die ihn zu einem Vorläufer Leonardos machen; der Holländer Paulus von Middelburg (1446-1534), Bischof von Fossombrone, Arzt der Herzöge und Befürworter einer Kalenderreform, wegen der er von Kopernikus im Vorwort zu De revolutionibus erwähnt wird. "Von Geometrie und Arithmetik besaß er (Federico) gute Kenntnisse, und er hatte an seinem Hof den deutschen Meister Paulus, einen großartigen Philosophen und Astrologen (41)": so erwähnt Vespasiano da Bisticci im Commentario de la vita del signore Federico, duca dUrbino Paulus von Middelburg, der mit humanistischen Kreisen in Padua in Verbindung stand und Freund und Korrespondent Marsilio Ficinos war. Außerdem hielt sich in Urbino auch Guglielmo Raimondo Moncada auf, der mit dem "Kabbalisten und Orientalisten" Flavio Mitridate identisch ist und Meister Giovanni Picos war. Ihm verdanken wir Übersetzungen astrologischer Werke aus dem Arabischen. Die Astrologie beeinflußt nicht nur die Anordnung von Palästen und Wohnungen, sondern auch die technischen Lösungen Francesco di Giorgios. Astrologische und kabbalistische Zeichen finden wir auch im Palast. Außerdem entsprechen den astrologischen Anordnungen vielleicht die Anordnung der Räume und Fenster.
In dem ideologisch-kulturellen System des Hofes hatte auch die Musik eine große Bedeutung und die Prinzipien der Harmonie, des Gleichgewichts und des Maßes, auf die sich die Gestalt des Fürsten und seiner Regierung gründet, sind auch die Grundlage eines komplexen Systems von Bildern, Symbolen und musikalischen Metaphern. Für diese kürzlich von Nicoletta Guidobaldi (42) untersuchte figurativ-musikalische Dimension können als Beispiele die Justus van Gent zugeschriebene Allegorie der Musik oder die Intarsien des Studierzimmers genannt werden, die Musikinstrumente und zwei musikalische Kompositionen darstellen: der Chanson Jay prins amours und die Motette Bella gerit. Es ist bekannt, daß am Hofe Federicos zahlreiche Kapellsänger, Sängerknaben, flämische Musiker und Orgelspieler tätig waren. Gerade im zweiten Gesang des ersten Gedichts des schon erwähnten Antonio Nuti ist von Sängern, die sich "wie am Hof eines Papstes, Königs oder Kaisers" aufhalten, und von einer Musikkapelle die Rede, die schon 1480 bestanden hat.
Die Stadt war schon am Anfang des 15. Jahrhunderts auch ein wichtiger Begegnungsort für Maler der Gegend und angrenzender Gebiete geworden. Außer dem Hof, der Mittelpunkt kultureller Bildung und Auftraggeber war, boten auch die Bruderschaften Raum für kulturelle Initiativen, die aber immer mit dem Hof verbunden waren. Vasari zufolge soll Piero della Francesca im Alter von nur 15 Jahren von Guidantonio nach Urbino gerufen worden sein. Auch wenn diese Behauptung fragwürdig erscheinen mag, so finden doch dank der intelligenten Weitsicht des Ottaviano degli Ubaldini auch im Bereich der Malerei die Neuheiten jenseits der Alpen und vor allem die flämische Kunst eine deutliche Beachtung. Justus van Gent wurde nach Urbino gerufen, um ein Altarbild zu vollenden, für das Paolo Uccello zwischen 1467 und 1469 die Predelle mit der Entweihung der Hostie gemalt hatte und das sich heute im Herzogspalast befindet (43). In diesem großen Altarbild, das die Apostelkommunion darstellt, verbindet er auf gelungene Weise die mikrographischen Techniken, die raffinierte Eleganz, die Wahl der Farben und die Lichteffekte der flämischen Maler mit den strengen wissenschaftlichen Auffassungen des Raumes Piero della Francescas. Das Gemälde ist auch wegen der Anwesenheit Federicos interessant, der sich mit einem Mann in orientalischem Gewand unterhält, vielleicht ein jüdischer Arzt und Botschafter des Schahs von Persien. Der kleine Guidobaldo ist im Arm seiner Amme dargestellt. Abgesehen von dem lobpreisenden Charakter ist gerade die Anwesenheit eines Juden bedeutend, was nicht nur das am Hofe Federicos wirksame Interesse für die jüdische Kultur beweist, sondern auch eine auffällige Reduzierung judenfeindlicher Motive in dem Bild Paolo Uccellos darstellt, wo das ziemlich verbreitete Motiv der Entweihung der Hostie durch einen Juden wiederaufgenommen wird. Die Erzählkunst der Predelle, ihre außergewöhnliche perspektivische Wirkung und ihre Märchenhaftigkeit unterscheiden sich von dem prunkvollen und preisenden Geschmack des mit der Predelle verbundenen Gemäldes Justus van Gents. Dem Maler verdanken wir auch einen Teil der Porträtreihe Berühmter Männer, die das Studierzimmer Federicos schmückte. Wenn sich im Studierzimmer die flämische Kunst auf geschickte Weise mit den perspektivischen Studien der italienischen Kunst verbindet, scheint sie sich in der Malerei mit den Eindrücken und Verweisen auf die Kunst Urbinos und Melozzo da Forlìs, eines Schülers Piero della Francescas, zu vereinigen. An dieser Stelle sei an Melozzos Gemälde Die Dialektik und der Herzog von Urbino erinnert, das den Herzog knieend vor der Allegorie des Wissens darstellt und im Zweiten Weltkrieg in Berlin zerstört wurde.
An den Arbeiten am Studierzimmer, die sich von 1472 bis 1476 hinzogen, waren Künstler wie Botticelli und Francesco di Giorgio beteiligt, denen wir die Entwürfe der Intarsien verdanken, die dann von den Gehilfen Baccio Pontellis, Justus van Gents und Pedro Berruguetes ausgeführt wurden. Von dem letzteren stammt das Porträt des lesenden Federico da Montefeltro mit seinem Sohn Guidobaldo aus dem Jahre 1476/77. Der Herzog wird hier mit den Adelsinsignien, dem vom König von Neapel verliehenen Hermelinorden und dem vom König von England verliehenen Hosenbandorden, als Krieger und Kulturmensch dargestellt, was sein Ansehen bei anderen Herrschern unterstreichen soll. Die Gestalt des Herzogs ist eindrucksvoll, erhaben und trotz der unbeweglichen Haltung energisch, dank einem geschickten Gebrauch von Farbe, Licht und Linien.
Die Ankunft Pieros in Urbino aus seiner Geburtsstadt Sansepolcro markiert einen bedeutenden Wendepunkt im Kunstgeschmack des Hofes. Zu den in Urbino entstandenen Werken gehört die Geißelung, über deren Interpretation und Chronologie weiterhin Zweifel bestehen. Lange Zeit glaubte man, in dem Knaben in der Mitte des Bildes die Gestalt des von schlechten Beratern umgebenen Herzogs Oddantonio zu erkennen. Diese These würde zu einer Datierung nach der Verschwörung der Serafini (1444) führen, bei der Oddantonio den Tod fand. Neuere Studien neigen jedoch dazu, in dem Knaben den unehelichen Sohn Federicos, Buonconte, zu erkennen, während der rechte Jüngling Giovanni Bacci, Podestà Gubbios, und der linke den Kardinal Bessarione darstellen soll. Das Werk würde so eine politisch-religiöse Dimension erhalten, eine Art Aufforderung an Federico, eine Expedition gegen die Türken zu unterstützen. Eine andere, von Carlo Ginzburg vorgeschlagene Datierung (44) führt das Werk auf die Jahre 1459/60 zurück, was mit Pieros Wiederaufnahme der Arbeiten an den Fresken in Arezzo nach der Unterbrechung in Rom zusammenfallen würde. In dem Diptychon mit den Porträts der Herzöge von Urbino, die aus dem Jahre 1474 stammen und sich heute in den Uffizien befinden, weisen die Profile Federicos und seiner Gemahlin Battista Züge eines flämischen Realismus auf, Züge, die die Kostbarkeit des Schmucks und die Details der Kleidung hervorheben. Die Eigenschaften des Mannes, des Kondottieres, des Mäzens scheinen aus dem Bild hervorzustechen, das, wie übrigens auch das Battistas, eine genaue geometrische Stilisierung aufweist. Auf der Rückseite des Diptychons sieht man eine Landschaft und die allegorische Darstellung der Triumphe der Herzöge, die auf von Amoretten geführten Wagen erscheinen. Aus derselben Zeit soll das Altarbild von San Bernardino stammen, das sich heute in der Mailänder Brera befindet. Auch dieses Gemälde gibt immer noch Anlaß zu verschiedenen Interpretationen, die versuchen, die symbolische Bedeutung des über der Madonna hängenden Straußeneis und der dargestellten Personen zu ergründen, in denen man vielleicht herausragende Persönlichkeiten des Urbinater Hofes erkennen kann. Federico kniet in diesem Bild, und das einfallende Licht hebt Details seiner Rüstung hervor, während die Anordnung der Figuren und das architektonische Spiel, in dem sie sich befinden, sofort an die mathematische Strenge und die Perspektive Pieros erinnert, der auch Autor der beiden Traktate De perspectiva pingendi und De corporibus regularibus ist. Die berühmte ideale Stadt stammt einigen Kunsthistorikern zufolge aus den 80er Jahren, anderen zufolge aus den ersten zwanzig Jahren des 16. Jahrhunderts. Was die Zuschreibung des Bildes betrifft, das mit denen in Baltimore und Berlin im Zusammenhang steht, gibt es viele gegensätzliche Vorschläge (Laurana, Piero della Francesca, Donato Bramante, Francesco di Giorgio Martini). Alle heben jedoch die Bedeutung und die Beziehung zwischen malerischen Studien und mathematischen Kenntnissen hervor. Außerdem sei daran erinnert, daß Luca Pacioli, der Autor der Summa de Arithmetica mit dem Herzog Guidobaldo in einem Gemälde von Jacopo de Barbari aus dem Jahre 1495 dargestellt ist. Mit dieser harmonischen Mischung aus mathematischer Kultur und flämischem Realismus hatte die Urbinater Kunst eine Vollkommenheit erreicht, auf die Giovanni Santi in der Disputa de la pictura seiner Cronica hinweist (45). In letzter Zeit wird dem Maler Giovanni Santi, dem Vater Raffaels, der hier bis jetzt nur als Dichter Erwähnung fand, von den Gelehrten wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt, wie etwa Dubois und Varese, die ihn zu den berühmtesten Vertretern der Urbinater Malerei des 15. Jahrhunderts zählen (46). Giovanni Santi arbeitete nicht für Federico, sondern für seinen Sohn Guidobaldo und Elisabetta Gonzaga (47). Es gilt als fast sicher, daß sechs der Musen von ihm stammen, die den gleichnamigen Tempietto neben der Cappella del perdono ("Kapelle der Vergebung") schmückten; beide liegen bezeichnenderweise in dem Geschoß unter dem Studierzimmer. Für Guidobaldo hat Raffael wahrscheinlich die Porträts des Herzogs Guidobaldo, seiner Gemahlin Elisabetta (heute in den Uffizien) sowie das verloren gegangene Porträt Pietro Bembos gemalt, der sich 1506 in Urbino aufhielt. Raffael stand wahrscheinlich mit dem in Urbino tätigen Meister Timoteo Viti in Kontakt, den er später nach Rom rief, um die Kirche Santa Maria della Pace auszuschmücken.
Eine andere Figur, an die wir in dieser kurzen Skizze der Urbinater Kunst erinnern wollen, ist Girolamo Genga, ein Vertreter des vielseitigen Genies der Renaissance. Seine Tätigkeit als Bühnen- und Kostümbildner findet ihren Höhepunkt in der Inszenierung der Calandria des Kardinals Bibbiena, die am 6. Februar 1513 im Thronsaal des Herzogspalastes aufgeführt wurde. Auch Feste wurden zu einem bewußten instrumentum regni. Aufführungen fanden häufig statt, vor allem bei Hochzeiten oder Besuchen wichtiger Gäste. Eine Aufführung allegorischer Art über den Triumph der reinen Liebe war 1474 von Giovanni Santi anläßlich des Aufenthalts Federicos von Aragon, Thronfolger des Königs von Neapel, aufgeführt worden (48).
2.1 DER PALAST
Mit dem Bau des Palastes findet das politische Werk Federicos seine Vollendung:
In dieser Mischung aus Himmel und Erde, aus Straße und Vision, aus Beachtung des Konkreten und des Wirklichen und Mißachtung des Schwierigen, des Unmöglichen, des noch nicht Versuchten, wird sein Name, seine Rolle und sein Lebensmodell gefeiert (49).
Mit diesen unersetzbaren Worten hat Carlo Bo die Bedeutung zusammengefaßt, die der Bau des Palastes damals hatte und auch heute noch hat. Man weiß sehr wenig über die Entstehung des Palastes. Bis heute ist nicht bekannt, ob es einen ursprünglichen, genau ausgearbeiteten Plan gab, oder ob man während der ersten Bauphase nach und nach Erweiterungen und die damit verbundenen Änderungen durchführte, um den wachsenden Bedürfnissen des Herzogs Federico entgegenzukommen. Diese Änderungen bedeuten nicht nur Änderungen der Funktion oder der Architektur, sondern entsprechen den inneren Bedürfnissen nach einer Vereinigung von Macht, Stärke und Schönheit.
Mit der Errichtung der Mauern wurde etwa 1455 begonnen, und zwar zunächst an der langen Ostfassade, in die hier und da bereits vorhandene Gebäude integriert wurden. Nach Meinung einiger Gelehrter oblag die Bauleitung dem Florentiner Maso di Bartolomeo, nach Meinung anderer einem seiner Mitarbeiter, Michele di Giovanni oder Pasquino da Montepulciano. Obwohl die ersten Gebäudeteile durch spätere Eingriffe umgestaltet wurden, tragen sie noch heute die unverkennbare Handschrift eines Künstlers, der mit den neuen Lehren Brunelleschis vertraut war, auch wenn Elemente filigraner Spätgotik noch sichtbar sind.
Der Palast hatte bereits große Ausmaße angenommen, als Federico im Jahr 1468 die Leitung der Arbeiten dem Architekten Luciano Laurana übertrug. Der gebürtige Dalmatiner, der am Hof von Mantua ausgebildet wurde, wo er sich mit dem Schaffen Albertis unmittelbar auseinandersetzen konnte, war zweifellos auch durch die Gegenwart Piero della Francescas in Urbino beeinflußt. Er legte seinem Werk die Vision einer Welt zugrunde, in der die Natur und das Werk des Menschen zu einer perfekten Synthese verschmelzen. Ihm sind wahrscheinlich auch die Westfassade mit ihren Türmchen, der Ehrenhof, die Prunktreppe und andere Räume zuzuschreiben.
Als Laurana die Westfassade mit ihren Türmchen plante, die einen magischen Gegensatz zu der mächtigen Festung Albornoz darstellen, wollte er zwei bereits existierende Gebäude miteinander verbinden: das Castellare im Norden und den Wohnsitz des Grafen Antonio im Süden. An diesen ersten Wohnsitz der Montefeltro, der sich auf der Spitze des Poggio-Hügels befindet, erinnert nur noch das Portal, das heute den Eingang zum Hauptgebäude der Universität bildet. Zwischen den Gebäuden verlief der Sattel des Hügels mit seinen immerzu wechselnden Höhenunterschieden und Abhängen. Auf geniale Weise nutzte Laurana einen steilen Abhang und schuf, um die Schubkräfte zu beherrschen, am Fuß der Böschung mächtige Mauern und legte das Fundament des einen Türmchens im Abhang selbst an, unterhalb des Fundaments des zweiten Türmchens. Das ins Nichts aufragende Türmchen bildet gewissermaßen den Scheitel eines weitläufigen stumpfen Winkels, der Platz für den Hängenden Garten schafft, dessen Außenmauer auf die Hügel der Umgebung weist. Mit dieser Lösung gelang dem Architekten die Verschmelzung seines Bauwerks mit der Natur und der Landschaft.
Der Ehrenhof wird von einem schmalen Portikus mit Bogen auf Kompositkapitellen begrenzt. An den Architraven befindet sich ein Fries mit lateinischer Inschrift in Großbuchstaben, der Federico als Erbauer des Palastes, als siegreichen Krieger und als gerechten, gütigen und liberalen Fürsten preist: iustitia, clementia, liberalitas, religio. Darüber liegt ein Geschoß mit Fenstern, die durch Lisenen voneinander getrennt sind. Über den Fenstern befindet sich wiederum ein Gebälk, auf dem sich die Lobpreisung fortsetzt. Der Ehrenhof läßt in der geometrischen Strenge der Formen, in der Klarheit der Linien und in einigen dekorativen Elementen den Einfluß Piero della Francescas deutlich erkennen.
Vom Ehrenhof, dem architektonischen Mittelpunkt des Gebäudes und denkwürdigen Beispiel der durch die perspektivische Illusion der Säulen und Bögen geschaffenen Harmonie von Masse und Raum, gelangt man über die Prunktreppe in die Räume des Hauptgeschosses, die die unbestrittene Herrschaft des Lichts und der Harmonie darstellen und Zeichen einer Zeit sind, in der Urbino das Zentrum eines wissenschaftlichen und mathematischen Humanismus war. Von dem geräumigen Thronsaal führt der Weg zu den charakteristischsten und intimsten Räumen: dem Saal der Nachtwachen, in dem die raffiniertesten Talente der Zeit zusammenkamen, dem Gemach der Herzogin und schließlich dem geistigen Mittelpunkt des Palastes, dem Studierzimmer, das mit Intarsienbildern verkleidet ist, die Francesco di Giorgio Martini zugeschrieben werden, und über der "Cappella del Perdono" und dem "Tempietto delle Muse" liegt, in einer wunderbaren Synthese heidnischer Kultur und christlichen Glaubens.
Im Jahre 1472 verließ Laurana Urbino aus noch unbekannten Gründen, um von Ferrante von Aragon in Neapel als "Artilleriemeister" aufgenommen zu werden. Der Bau der Westfassade, die ein bizarrer Einfall des Dalmatiner Architekten schien, diente in Wirklichkeit dazu, die gesamte Westseite harmonisch zusammenzuhalten und sich auf einzigartige Weise an die Landschaft anzupassen. Aber das Werk war keinesfalls vollendet. Es fehlten die Doppelloggien und die sich darunter befindliche Terrazza del Gallo mit dem gesamten vorspringenden Gebäudeteil, die Südseite des Palastes mit seiner Loggia zum Hof des Pasquino, der Hängende Garten und die Stallungen. Auch die Verbindung mit dem alten Castellare war noch nicht vollendet. Mit diesen Aufgaben wurde der Sieneser Architekt Francesco di Giorgio Martini beauftragt, der die neue und noch prächtigere Version der Nordfassade prägte, die den weltlichen Sitz der Montefeltro mit dem Sitz der göttlichen Macht, dem Dom, symbolisch verband (50).
Die Tätigkeit Francesco di Giorgios entfaltete sich in dem Bau der Loggien zum Hof des Pasquino, des Hängenden Gartens und der Stallungen der Data mit der spiralförmigen Rampe, die man zu Pferd erklimmen konnte und das Erdgeschoß des Palastes mit dem darunterliegenden Mercatale verbindet. Der Sieneser Architekt, der sich mit militärischer und mechanischer Technik beschäftigt hatte, löste schließlich auf vortreffliche Weise die Probleme der Funktionalität mit dynamischen Erfindungen, die über die künstlerischen Absichten der Renaissance weit hinausgehen.
Schließlich wurde das zweite Geschoß im Jahre 1536 von Girolamo Genga vollendet.
Durch das Studium dokumentarischer Quellen kann man schließen, daß der alte Palast ein kompliziertes Netz von technischen Apparaten aufwies, der den Bedürfnissen eines neuen Hofes entsprach, der sich in Urbino herausbildete. Man kann daher den einheitlichen Charakter des anfänglichen Projekts feststellen, der nur Laurana und der engen Beziehung zwischen jenem Projekt und dem politischen Programm Federicos zuzuschreiben ist. Ferner wird die enge Beziehung zwischen dem Palast und der neuen humanistischen Struktur der Stadt deutlich, die auch dem Programm des neuen Fürsten dient. Schließlich ist auch die Beziehung zwischen dem Bauwerk Federicos und früher entstandenen Gebäuden geklärt: eine rationale Nutzung des schon Bestehenden und eine bisweilen geniale Umwandlung, der Einheitlichkeit des Gesamtprojektes folgend (51).
2.2 DIE BIBLIOTHEK
Die Bibliothek befand sich neben dem Ehrenhof. Sie war ein wahres Monument und der Reichtum und die Qualität ihrer mit Miniaturen ausgeschmückten Handschriften stellen eine weitere Würdigung des Ansehens Federicos als humanistischen Fürsten dar. Um das Jahr 1465 wird mit ihrer systematischen Einrichtung begonnen, die durch enge kulturelle Beziehungen mit Florenz (insbesondere mit Lorenzo de Medici), Ferrara (Miniatoren des Hofes der Este waren mit Arbeiten für den Herzog beauftragt), Mailand, Rom (wegen Federicos Freundschaft mit Kardinal Bessarione) und Cesena ermöglicht wurde; Beziehungen, die Federico erlaubten, viele Handschriften kopieren zu lassen. Gewiß waren am Hof der Montefeltro schon vorher Bücher im Umlauf und schon die Vorgänger Federicos hatten wertvolle griechische und lateinische Werke gesammelt, aber erst Federico beginnt mit einer systematischen Sammlung. Dem alten Index zufolge, dem ältesten und gleichzeitig topographischen Verzeichnis der Bibliothek, dessen erster Teil auf die Zeit vor 1488 zurückgeht und in dem die nach Sprachen, Themen, literarischen Gattungen und Autoren geordneten Handschriften der Hauptbibliothek beschrieben sind, umfaßte die Bibliothek beim Tod Federicos rund 900 Handschriften (52). Viele von ihnen wurden durch den Florentiner Buchhändler Vespasiano da Bisticci ("ohne Rücksicht auf irgendwelche Kosten") erworben, einige geschenkt, andere wiederum waren das Ergebnis von Raubzügen, wie die hebräische Bibel von Volterra ("codex magnus et pulcherrimus in toto fortasse orbe unicus"). Unter ihnen waren Werke von Schriftstellern und Grammatikern der Antike, von Philosophen und Kirchenlehrern. Es fehlten weder die wichtigsten Schriften der Astrologie, der Arithmetik, der Medizin, der Musik und der Skulptur, noch die bedeutendsten Werke der "modernen" Schriftsteller. Zu diesen Büchern unterschiedlicher Herkunft kommen die hinzu, die Federico Veterani zusammen mit vielen anderen Schreibern im scriptorium kopierte. An ihrer Seite arbeiteten Miniatoren der Schule von Ferrara, wie Franco de Russi. Erst nach 1488-90 fügte der Bibliothekar Agapito zu dem alten Index die Bücher der "alia bibliotheca" hinzu, einer Art Vorhalle zur Hauptbibliothek, wo die unvollständigen oder nicht besonders schönen Bände untergebracht waren. Wir wissen, daß Federico immer das Seltene, das Herausragende, das einzigartige Kunstwerk suchte und eine wahre Abneigung gegen gedruckte Bücher hatte, von denen man im alten Index nur 50 findet. Dies erklärt die berühmten Einbände, die die Bücher der Bibliothek Federicos von ihrem ersten Erscheinen an einzigartig machen: Leder- und Seideneinbände mit prächtigen Farben, die eher dazu dienten, zu verwundern als zu schützen (53). Zwischen 1470 und 1480, unter dem Bibliothekar Lorenzo Astenio di Macerata, einem äußerst gebildeten Humanisten, wird die Qualität der Handschriften noch kostbarer und raffinierter und ihre Auswahl noch fachkundiger. Die Gelehrten Italiens und Europas hatten freien Zugang zur Bibliothek und konnten die Sachkenntnis des Herzogs bewundern, dessen Sammlung denen der Aragon oder des Papstes in nichts nachstand.
Die Kulturpolitik Federicos wird durch die Eleganz, die Intelligenz und die Gewandtheit des Ottaviano degli Ubaldini unterstützt, der Federico bei seiner künstlerischen und kulturellen Auswahl ständig zur Seite steht. Wie schon gesagt, ist er es, der in Erwartung eines reiferen Alters Guidobaldos die Zügel der Regierung ergreift und den Hof leitet, der im Cortegiano Baldassare Castigliones unsterblich werden sollte. Auch unter Guidobaldo wird die Bibliothek durch neue Texte bereichert, bis sie ein begehrenswerter corpus wird. Dank aktueller Untersuchungen, die vor allem von Luigi und Maria Moranti (54) durchgeführt wurden, wissen wir, warum die "gesamte" Bibliothek nach dem Ende des Herzogtums nach Rom überführt wurde. Wie im Testament von Francesco Maria II. della Rovere verfügt, war die Bibliothek Eigentum der Gemeinde Urbino, aber eine Partikel darin bestimmte, daß die Compagnia della Grotta, eine Bruderschaft in Casteldurante, wo der letzte Herzog sich lange aufgehalten hatte und begraben wurde, in ihren Besitz gelangen sollte, falls die Gemeinde dem Letzten Willen nicht nachkommen und auch nur ein einziges Buch fehlen sollte. Die ehrwürdige Compagnia della Grotta verfolgte rein religiöse Ziele und die Gründe für eine solche Verfügung des Herzogs sind nicht bekannt. Es besteht jedoch keinen Zweifel darüber, daß es zwischen den Caracciolinischen Brüdern in Casteldurante (dem heutigen Urbania) und der Gemeinde Urbino wegen der Rückgabe der Bücher und Handschriften, die der Herzog nach Urbania gebracht hatte, wo er die letzten Jahre seines Lebens residierte, zu ersten Auseinandersetzungen kam. In dem Testament ist von einem Vermächtnis an die Preti Chierici Minori Regolari del Crocefisso in Casteldurante die Rede, aber es wird auch ausdrücklich gesagt, daß die Handschriften und Zeichnungen an Urbino zurückgehen sollten. Nach vielen schwierigen Verhandlungen zwischen dem damaligen Bibliothekar Vittorio Venturelli, dem Verfasser des alphabetischen Indexes von 1616, und den "frati sottilissimi" kehren die Texte im April 1631 nach Urbino zurück.
Von diesem Moment an haben die finanziellen Schwierigkeiten der Gemeinde Urbino, das wachsende Interesse des Papstes und das persönliche Eingreifen von in Rom lebenden Urbinatern wahrscheinlich zu einem Wirrwarr von Gerüchten über den Verkauf der Bibliothek geführt. Hauptfigur in dieser Angelegenheit war Papst Alexander VII. Chigi, der ein leidenschaftlicher Sammler war und an seiner Seite den berühmten bibliophilen Humanisten und Archäologen und früheren Mitarbeiter Kardinal Barberinis Luca Hostenio hatte. Luca Hostenio war 1643 auf Anregung Barberinis nach Urbino gekommen und hatte sicher Gelegenheit, die Qualität der Sammlung zu bewundern, wie durch sein von Moranti teilweise veröffentlichtes Tagebuch bestätigt wird (55). Als Alexander VII. 1653 den päpstlichen Thron besteigt, wird Luca Hostenio sein enger Mitarbeiter und knüpft Beziehungen, die die Überführung der Bibliothek nach Rom ermöglichen sollten. Der Papst hatte kein Recht auf die Bibliothek, denn diese war persönliches Eigentum des Herzogs und von ihm der Gemeinde Urbino vermacht. Die zunächst geheim geführten Verhandlungen zwischen Hostenio und dem Gesandten Homodei werden öffentlich, als sich die Gerüchte über einen Verkauf verdichten. In einer Ratssitzung stellte der Gonfaloniere Flaminio Catellani der Gemeinde Urbino am 23. Juni 1657 das Problem dar und erklärte, daß die Bibliothek "eher pompös als nützlich sei und eher einem Fürsten als einem Privaten diene". Er brachte eine Reihe von Anliegen vor, die sich als bescheiden erwiesen, wie auch die Zahlung von 10.000 Scudos für ein solches Vermögen bescheiden war. Der Ratsbeschluß wurde eiligst in die Tat umgesetzt, weil man ein Umdenken oder eine Unzufriedenheit der Bevölkerung befürchtete. Die Gründe für die Überführung, die in dem am 7. August 1657 an den Gesandten Homodei gerichteten apostolischen Breve genannt werden, dienen nur als Vorwand: die Bibliothek sei in einem schlechten Zustand, weil die Gemeinde nicht über das ausreichende Geld verfüge, es gebe einen Streit zwischen der Gemeinde und der Compagnia della Grotta wegen des Besitzes derselben und die Bibliothek würde im Vatikan einen würdigeren Ort finden, weil sie in Urbino unnütz sei. Es handelt sich um unbegründete Vorwände und neue Dokumente zeigen, daß der Papst, zunächst heimlich, dann offensichtlich, eine schnelle Überführung beabsichtigte, obwohl die Witterung zwischen Oktober und Dezember 1657 äußerst ungünstig war.
Die gesamte Bibliothek Federicos, bestehend aus den Codici Urbinati Latini und den Codici Urbinati Greci, wurde in die Vatikanische Bibliothek eingegliedert.
3. DER MYTHOS URBINO
In der allgemeinen Krise der italienischen Staaten am Anfang des 16. Jahrhunderts erlebt Urbino, wie wir in dem ersten Teil dieser Arbeit gesehen haben, eine Zeit besonderer politischer Zerbrechlichkeit. Auch in Italien folgen auf die Zeit des Gleichgewichts, an dem Federico maßgeblich beteiligt war, Jahre großer Instabilität, während sich auch der kulturelle Schwerpunkt nach Rom und nach Venedig verlagert. Doch gerade in diesem schwierigen Moment, der durch das Fehlen eines wirklichen politischen Gewichts des Herzogtums und den Verlust einer kulturellen Vorherrschaft gekennzeichnet ist, beginnt sich durch die Werke Ariosts, Bembos, Castigliones und Tassos der Mythos Urbino herauszubilden. Zu diesem Thema haben Historiker und Literaturhistoriker gründliche Untersuchungen durchgeführt und der Ausdruck Mythos Urbino gibt die Bedeutung wieder, die das Modell des Urbinater Hofes in der damaligen europäischen Kultur hatte.
Schon 1516, in der ersten Ausgabe des Furioso, in dem Geflecht menschlicher Ereignisse, erleben die Personen auf der hedonistischen Suche nach dem eigenen Abenteuer den locus amoenus. So kann die Reise Rinaldos die geographische Lage des Herzogtums zeichnen, aber auch die Liebenswürdigkeit dieses edlen Ortes unterstreichen:
Quivi mutando bestie e cavallari,
Arimino passò la sera ancora;
né in Montefiore aspetta il mattutino,
e quasi a par col sol giunge in Urbino.
Quivi non era Federico allora,
né lIssabetta, né il buon Guido vera,
né Francesco Maria, né Leonora,
che con cortese forza e non altiera
avesse astretto a far seco dimora
sì famoso guerrier più duna sera;
come fe già molti anni, et oggi fanno
a donne e cavalier che di là vanno.
Poi che quivi alla briglia alcun nol prende,
smonta Rinaldo a Cagli alla via dritta.
Pel monte che il Metauro o il Gauno fende,
passa Apennino, e più non li ha a man dritta;
passa gli Obri e gli Etrusci, e a Roma scende/.../(56).
Während im Furioso auf den Hof von Urbino nur hingewiesen wird, wird dieser im Cortegiano zum zentralen Punkt, auf den sich nicht nur das Werk gründet, sondern auch der Grund für seine Verbreitung in Europa. Grundlegende Untersuchungen über den Erfolg des Cortegiano und die Bedeutung, die das Werk in den einzelnen nationalen Kulturen Europas erlangt hat, sind von Amedeo Quondam und Angela Carella durchgeführt worden, deren Analysen und Schlußfolgerungen man unbedingt berücksichtigen muß und auf die wir uns auf den folgenden Seiten beziehen (57).
Castiglione war 1504 nach Urbino gekommen und bleibt dort, im Dienste Guidobaldos, bis zu dessen Tod, um dann, bis 1513, in den Francesco Maria della Roveres zu wechseln. Von Urbino geht er als Botschafter des Herzogs nach Rom. Dort, genauer gesagt zwischen Rom und Mantua, führt er zwischen 1513 und 1518 den Cortegiano zu Ende, den er schon in Urbino entworfen hatte und der 1528 veröffentlicht wird. Aus seinem Eindruck des Urbinater Hofes heraus war schon in der Ekloge Tirsi eine bukolische Lobpreisung des Hofes entstanden. Aber erst in dem Brief an Heinrich VII., Ad sacratissimum Britanniae regem Henricum, de Guidobaldo Urbini duce, werden der Hof von Urbino und die persönliche Gestalt des Fürsten idealisiert und "eine dramatische Welt" gerühmt, "die aber nicht täuscht" (58). In diesem Brief aus dem Jahre 1508 verfolgt Castiglione, noch erschüttert wegen des Todes Guidobaldos, das Leben des Fürsten in jenem Gleichgewicht zwischen Kriegführung und Kultur zurück, das in Wirklichkeit schon mit dem Tode Federicos verlorengegangen war. Wenn auch ein widriges Geschick die militärische Tätigkeit Guidobaldos bestimmt hat, hat ihm doch die Tugend erlaubt, seine Tätigkeit als "bewaffneter" Fürst fortzusetzen. Aber neben dieser gewollten Anerkennung werden doch schon Anzeichen für einen Epochenwechsel deutlich, in dem der Fürst weder in der Lage ist, das eigene Herzogtum zu verteidigen, noch auf der Höhe des militärischen Ruhmes seines Vaters ist. Aus diesem Grund nimmt die Darstellung Guidobaldos einen betrübten, aber erhabenen Charakter an: ein humanistischer, im Umgang mit seinen Untertanen aufgeklärter Fürst, elegant in der Rede, raffiniert in seiner kulturellen Auswahl und der griechischen und lateinischen Sprache kundig. Eine Darstellung, die Guidobaldo seiner eigenen Zeit zu entreißen und ihn einer hoffnungslos verlorenen Vergangenheit zu übergeben scheint. Aber die Perspektive in Castigliones Werk entspricht nicht so sehr dem Renaissance-Geschmack einer Abhandlung, sondern scheint vielmehr das mittlerweile verlorengegangene Modell eines Fürsten und eines Hofes wachzurufen, um es im Gegensatz zu anderen Modellen zu stellen, die nicht über die Sittlichkeit und Feinheit des Urbinater Hofes verfügen.
Der Reiz des Cortegiano rührt gerade von der Art her, wie in einer genauen historischen Untersuchung den unheilvollen Bedingungen der Gegenwart die sehnsüchtige Erinnerung einer Vergangenheit und eines Hofes als idealer Ort der Vollkommenheit entgegengesetzt wird, der, wenn man ihn nicht mehr zu erreichen vermag, vielleicht im Akt des Schreibens ideell zum Leben erweckt werden kann:
Dieses Paradies ist nicht verloren. Seine Worte sprechen in der Gegenwart, man kann es unmittelbar genießen. Es ist, als ob in der Lektüre, im Zitat, in der Wiedergabe alle Untertitel der Dialoge und jeder Zusammenhalt der Erzählung (Ort und Zeit der Handlung) aufgehoben wären, um die Zeit der dialogischen Aussage herrschen zu lassen, jene Gegenwart, die die wirkliche Zeit der europäischen Rezeption des Cortegiano darstellt (59).
Aus diesem Grund wird dieses unruhige Buch in der europäischen Kultur als Modell gelesen, aufgenommen und bearbeitet, von dem dann alle Überlegungen über den europäischen Hof in Form von Zitaten, Ausgaben und Übersetzungen ausgehen (60), und das als Bezug, Vergleich und Beispiel für eine unendliche Reihe von anderen Texten dient, die jedoch nicht seine komplexe Gliederung und seinen Wert der Sammlung einer Kultur und einer Welt besitzen, sondern nur einzelne, isolierte Themen behandeln. Themen, die vom Anstand bis zur gepflegten Konversation reichen, in einer ständigen Entwicklung der europäischen Kultur, die jedoch die Bedeutung eines Modells oder, wie Quondam schreibt, eines Architexts bekräftigt (61). Wenn man sich nach den Gründen fragt, warum dieses Buch im Mittelpunkt einer europäischen Diskussion steht und wie ein Baum mit zahllosen unterschiedlichen Früchten erscheint, muß man sich vor Augen halten, daß die Renaissancekultur darin die Gründe des eigenen Seins sucht, die Notwendigkeit des Überlebens des Hofes, der ihre Grundlage und Nahrung ist, und der höfischen Schicht, die trotz ihrer moralischen und intellektuellen Vorzüge versucht, auch in politischer Hinsicht ihre Rolle neu zu bestimmen. Castiglione kannte den Hof zu gut, als daß er nicht bemerkt hätte, daß sich die Zusammenarbeit zwischen dem Fürsten und dem Hofmann, die in der Konversation, in den Aufträgen und in den täglich stattfindenden Spielen durch Freigebigkeit und Höflichkeit gekennzeichnet war, in eine Abhängigkeit verwandelt hatte, während der Hofmann, Ausdruck der familia des Fürsten, immer mehr zu einem Beamten, wenn nicht sogar zu einem einfachen Diener geworden war. Aber die in der Abhandlung geschilderte Beziehung zwischen dem Fürsten und den Intellektuellen stellt sich ganz anders dar:
Als aber Julius II. zum Pontifikat gelangte, wurde er Kapitän der Kirche, und damals war es seine Hauptsorge, daß er, dem Zug der Zeit folgend, sein Haus zum Aufenthalt der vornehmsten und edelsten Männer machte, mit denen er auf das freundschaftlichste verkehrte, und an deren Unterhaltungen er sich ergötzte. Und die Lust, die der Umgang mit ihm den anderen erweckte, war nicht geringer als die, die er selbst empfand; denn er war wohlgelehrt in beiden Sprachen und verband mit Leutseligkeit und Liebenswürdigkeit ein außerordentliches Wissen, ließ sich überdies von der Großmut seiner Seele in einer Weise leiten, daß er, obwohl selbst nicht mehr imstande, die Reitkunst zu üben, wie er vordem wohl getan hatte, doch mit dem größten Vergnügen den Übungen der andern zusah, und er bewies durch seine Reden, ob sie nun lobend oder tadelnd waren je nach dem Verdienst eines jeden, auch auf diesem Gebiet gründliche Sachkenntnis, so daß sich jeder aufgemuntert fühlte, sich im Ringelrennen und im Turnier, im Reiten und im Fechten mit allen Waffen, in Spielen, in der Musik und in allen Übungen, die edeln Kavalieren ziemen, einer so edeln Gemeinschaft würdig zu erweisen (62).
Die Bühne des Hofes, die Fiktion seines Wesens und die Notwendigkeit des Überlebens zwingen dazu, trotz der Leere und des quälenden Gefühls des Todes, das durch den Hof Federicos geistert, aus ihm eine "Herberge der Fröhlichkeit" zu machen, und wenn der Herzog krank ist und sich zurückzieht, übernimmt die Herzogin diese tugendhafte Aufgabe:
Da konnte man anmutige Gespräche und ehrbare Scherze hören, und auf dem Gesicht jedes einzelnen den Ausdruck einer ruhigen Heiterkeit wahrnehmen, so daß dieses Haus die eigentliche Wohnung der Fröhlichkeit genannt zu werden verdiente. Ich glaube auch nicht, daß je an einem andern Ort die Süßigkeit einer lieblichen und freundlichen Geselligkeit in demselben Maß empfunden wurde, wie es damals an diesem Hof zutraf. Denn, abgesehen von der Ehre, einem solchen Herrn, wie oben beschrieben, zu dienen, fühlte jedermann in seinem Herz die höchste Zufriedenheit, so oft wir uns bei der Herzogin versammeln durften, und die Herzogin war gleichsam die Kette, die uns in gemeinsamer Liebe dergestalt vereint hielt, daß niemals die Eintracht des Willens und die herzliche Zuneigung zwischen Brüdern größer war als dort unter allen. Ebenso war es auch unter den Damen, mit denen ein freier und ehrenvoller Umgang gestattet war, indem es jedem vergönnt war, zu reden, zu sitzen, zu scherzen und zu lachen, mit wem er wollte; und so große Achtung zollte man dem Wunsch der Herzogin, daß die erwähnte Ungebundenheit der stärkste Zaum war, und es niemand gab, der nicht überzeugt war, das größte Vergnügen auf der Welt sei, ihr zu gefallen, und die größte Strafe, ihr zu mißfallen. Auf diese Weise war die ehrbarste Sitte mit der größten Freiheit verbunden, und Scherzen und Lachen empfingen die Würze erst durch die Anwesenheit der Fürstin, die die treffendsten Bemerkungen mit einer reizenden und ernsten Majestät begleitete; denn die Sittsamkeit und Würde, die sie bei allen Handlungen, Worten und Gebärden, auch im Scherz und im Lachen zur Schau trug, bewirkten, daß sie von allen, auch solchen, denen sie bis nun unbekannt gewesen war, für die größte Dame erkannt wurde. Und da sie so der ganzen Gesellschaft zum Vorbild wurde, hatte es den Anschein, als ob sich alle äußerlich und innerlich nach ihr stimmten; und jeder bemühte sich, ihr nachzueifern, und ihre schönen Sitten gleich einer Richtschnur in Gegenwart so vornehmer Damen selbst anzunehmen/.../(63).
Diese Lebensform scheint einen idealen Charakter anzunehmen, jenseits der Zeit, der Geschichte und selbst des Todes. Sie weiß ein System von Zeichen zu erschaffen, die sich unendlich wiederholen: auf der Bühne des Hofes von Urbino und anderer Höfe, die vielleicht nicht über ein so würdiges Wahrzeichen wie der von Federico erbaute Palast verfügen, wo die Botschaften der Größe und der Pracht in den Monogrammen und Inschriften überall sichtbar zu lesen sind und die ideale humanistische Kultur in der Bibliothek gepriesen wird:
Unter seine preiswürdigen Taten ist es auch zu rechnen, daß er in Urbino trotz der ungünstigen Lage einen Palast, der nach der Meinung vieler der schönste in Italien ist, erbaut und so zweckmäßig eingerichtet hat, daß er eher einer Stadt von Palästen als einem Palast gleicht. Auch im Innern stattete er ihn nicht nur mit dem täglichen Bedarf, wie Silbergeschirr, Zimmergerät, reich mit Gold durchwirkten Tapeten, Seidenzeug und Ähnlichem aufs herrlichste aus, sondern er schmückte ihn zum weitern Punkt mit einer ungezählten Menge alter Marmor- und Erzstatuen, mit herrlichen Gemälden und mit Musikinstrumenten aller Gattungen; und alles, was darin Platz fand, war durch Seltenheit und Schönheit ausgezeichnet. Ebenso häufte er auch mit den größten Kosten eine große Zahl der besten und seltensten griechischen, lateinischen und hebräischen Bücher an, in Gold und Silber gebunden, und diese Sammlung hielt er für die edelste Zier des ganzen Palasts (64).
Die europäische Dimension des Cortegiano liegt also nicht in seiner Verbreitung und in seiner Rezeption, sondern in der Tatsache, daß dieses Werk die "Grundgrammatik der Hofgesellschaft bis zur Französischen Revolution und darüber hinaus, mit den geeigneten Veränderungen, bis zur neuen bürgerlichen Ordnung" wird (65): ein Staatsmodell, das weder seinen absolutistischen Charakter abstreitet, noch ausschließt, daß durch die rhetorische Kunst des vollkommenen Hofmanns die Fehler des Fürsten in Zukunft vermieden werden können. Durch die Lobpreisung des Urbinater Hofes wird auch auf die politische Unfähigkeit und die Verderbtheit der Sitten an anderen Höfen hingewiesen. Das Ideal der "guten Regierung" dient dazu, das Bedürfnis nach Frieden und Stabilität zu bekräftigen, was im direkten Bezug zur dramatischen Situation der damaligen europäischen Geschichte steht. Es handelt sich um einen ethisch-politischen Vorschlag, der zwar in der historischen Wirklichkeit keinen unmittelbaren Niederschlag findet, der aber bestätigt, daß das Urbinater Modell aus der idealen Verbindung von Kriegführung und humanistischem Ideal hervorgeht, jener Verbindung und jenem Ideal, das nur das System des Hofes durch eine höfische Sprache erlauben und verbreiten konnte, die kulturelle Anerkennung findet und bereit ist, Einflüsse aus anderen Ländern aufzunehmen. Die Wirkung dieses Modells erscheint noch bedeutender, wenn man es nicht von einem städtischen, sondern europäischen Gesichtspunkt aus betrachtet. In der Widmung an De Silva (66) werden die Grenzen einer Frage gezogen, die über den Regionalstaat hinausgeht und eine überregionale und übernationale Dimension annimmt. In dem Modell des Cortegiano wird nämlich eine Klasse mit einem besonderen berufsmäßigen Charakter abgegrenzt, die bei der Bildung des modernen Staates eine bedeutende Rolle spielt.
Es bleibt vielleicht nicht mehr viel hinzuzufügen, damit das Bild in seiner notwendigen Vereinfachung vollständig ist. Wir möchten jedoch abschließend darauf hinweisen, daß sich Bembo seit 1506, also kurz vor dem Tode Guidobaldos, in Urbino aufhielt. Durch die dortige literarische Diskussion beeinflußt, macht er sich die mit der kulturellen Tradition der Vulgärsprache des späten 15. Jahrhunderts verbundenen Probleme klar und denkt besonders über die Sprachprobleme in den Prose della volgar lingua nach, die er während seines Aufenthalts in Urbino entwirft und 1525 veröffentlicht. In einem zwischen 1508 und 1510 geschriebenen, aber erst 1525 veröffentlichten Dialog mit dem Titel De Guido Ubaldo Feretrio deque Elisabetha Gonzagia, Urbini ducibus, der im Vatikan spielt, wird von verschiedenen Personen das beispielhafte Leben des Herzogs erzählt und in einer Grabrede sein Tod gepriesen. Der edelmütige und unglückliche Fürst Guidobaldo verkörpert auch Bembo zufolge jene Erhabenheit und jene humanistischen Ideale, die dessen Vater eigen waren: Erhabenheit, Freigebigkeit und Höflichkeit gegenüber den Dichtern, die auch am Hofe des letzten Herzogs von Urbino, Francesco Maria II. della Rovere, noch anwesend waren, als Tasso nach Jahren des Kummers und Irrfahrten im Sommer des Jahres 1587 (67) glaubt, im Schatten der großen Eiche (68) Ruhe und Halt zu finden. Es geht die Sage, daß Tasso gerade in Fermignano das Fragment eines Liedes im Stile Petrarcas mit dem Titel Al Metauro geschrieben hat:
O del grandApennino
figlio picciolo sì, ma glorioso
e di nome più chiaro assai che donde
fugace peregrino
a queste tue cortesi amiche sponde
per sicurezza vengo e per riposo.
Lalta Quercia che tu bagne e feconde
con dolcissimi umori, ondella spiega
i rami sì chi monti e i mari ingombra,
mi ricopra con lombra.
Lombra sacra, ospital, chaltrui non niega
al suo fresco gentil riposo e sede,
entro al più denso mi raccoglia e chiuda,
sì chio celato sia da quella cruda
e cieca dea, chè cieca eppur mi vede,
ben chio da lei mi appiatti in monte onvalle,
e per solingo calle
notturno io mova e sconosciuto il piede;
e mi saetta sì che nemiei mali
mostra tanti occhi aver quanti ella ha strali/.../(69).
ANMERKUNGEN
1) Von dem Erfolg des Cortegiano in Europa zeugen die Übersetzungen in Spanien, Frankreich und England, die kurz nach der Veröffentlichung des Werkes im Frühjahr 1528 in Venedig erschienen. 1534 erscheint in Spanien die Übersetzung von Juan Boscan; 1537 in Frankreich die von J. Colin DAuxerre und 1580 die von G. Chappuis, Parfait courtisan (man findet diese jetzt in B. Castiglione, Le livre de courtisan par Alain Pous, Paris, Flammarion, 1987); 1560 in England die von S. T. Hoby. Zu dem europäischen Erfolg des Werkes verweisen wir auf die Bände La corte e il "Cortegiano". I: La scena del testo, II: Un modello europeo, Roma, Bulzoni 1980, und zum Erfolg in den einzelnen Ländern auf die Beiträge von: M. Morreale, El mundo del "Cortesan", in "Revista de filologia espanola, XLII (1958-59); Castiglione e Boscan: el ideal cortesano en el Rinascimento espanol, Madrid, Imprenta de dAguirre Torre, 1959; P. Toldo, Le courtisan dans la littérature francaise et ses rapports avec loeuvre de Castiglione, in "Archiv für das Studium der neueren Sprachen und Literaturen", CIV und CV (1900); W. Schrinner, Castiglione und die Englische Renaissance, Berlin, Junker und Dunnhaupt 1939; R. Klesczewski, Die Französischen Übersetzungen des "Cortegiano" von B. C. Heidelberg, Winter 1966; Castiglione. The ideal and the real in Renaissance Culture, edited by R. H. Hanning and R. Rosand, New Haven, Yale University Press, 1983.
2) So schreibt Castiglione in dem Don Michele De Silva gewidmeten Brief, vgl. B. Castiglione, Il libro del Cortegiano, Milano, Garzanti, 1981, S. 7, mit der Einführung von Amedeo Quondam. Die folgenden Zitate stammen aus dieser Ausgabe.
3) Zu den kritischen Positionen bezüglich der "grellen äußeren Choreographie, des schmückenden Prunks, des oberflächlichen Reichtums und des vergänglichen Glanzes" des Cortegiano vgl. die Einführung von B. Maier zu der Ausgabe UTET (Torino, 1955, S. 11), die außer dem Werk auch eine Auswahl der Briefe und der kleineren Werke Castigliones enthält.
4) Vgl. J. Burckhardt, La civiltà del Rinascimento in Italia, Firenze, Sansoni, 1955, S. 44-45.
5) Der Name Marken ist germanischen Ursprungs und bezeichnete ursprünglich eine an Wäldern reiche Gebirgsgegend, später ein Grenzgebiet.
6) B. Castiglione, Il libro del Cortegiano, ebd., S. 17-18.
7) Die antiken Ursprünge der Stadt werden von Varro, Plinius d. Älteren, Pomponius Mela und von Procopius von Cesarea bezeugt. Reste der Stadtmauer und Keramikscherben aus römischer Zeit sind kürzlich bei der Restaurierung des Kellergeschosses des Herzogspalastes aufgetaucht.
8) Ravenna war zu jener Zeit Sitz des kaiserlichen Statthalters oder Exarchen; Italien war zur Randprovinz eines Reiches geworden, das seinen Schwerpunkt am Bosporus hatte.
9) Der Laudario wurde in unveränderter Fassung von G. Grimaldi in "Studi romanzi", Bd. XII, 1915 , S. 1-96 veröffentlicht; vgl. R. Bettarini, Jacopone e il Laudario di Urbino, Firenze, Sansoni, 1969.
10) Der Friede von Lodi beendet nach dem Tod von Filippo Maria Visconti den Erbfolgekrieg im Herzogtum Mailand. Auf Initiative Francesco Sforzas wird zwischen Mailand, Venedig und Florenz eine "heilige Liga" geschlossen, der sich außer dem Papst und Alfonso von Aragon auch andere Staaten intra terminos italicos anschließen.
11) Durch das Eingreifen von Egidio dAlbornoz, dem Innozenz VI. (1352-62) volle Machtbefugnis gegeben hatte, wurden die Malatesta "gezwungen, sich zu ergeben. Die Bedingungen waren allerdings nicht so ungünstig, denn sie wurden gegen einen jährlichen Tribut in ihrem Besitz von Rimini, Pesaro und Fano bestätigt/.../ Die Montefeltro erhielten als päpstliche Stellvertreter Urbino und Cagli zum Besitz", vgl. L. Salvatorelli, Sommario della storia dItalia, Torino, Einaudi, 1969, S. 263.
12) Vgl. G. Franceschini, I Montefeltro, Milano, DallOglio, 1970, S. 23.
13) Vgl. G. Chittolini, Su alcuni aspetti dello Stato di Federico, in Federico di Montefeltro. Lo Stato / Le Arti / La cultura, ebd. S. 76.
14) Vgl. Anhang 1.
15) Zur Verschwörung der Serafini, benannt nach der Adelsfamilie, die sie anführte, vgl. G. Franceschini, I Montefeltro, ebd., S. 425.
16) Zu den Beziehungen zwischen der Stadt Urbino und der Signoria der Montefeltro bezüglich städtischer Autonomie vgl. W. Tommasoli, La vita di Federico da Montefeltro. 1422-1482, Urbino, Argalia, 1995 (aber schon 1978 herausgegeben), S. 43. Die folgenden Zitate stammen aus dieser letzten Ausgabe.
Zu den mit der Auflösung des Staates verbundenen Problemen vgl. den schon zitierten Beitrag von Chittolini, Su alcuni aspetti dello stato di Federico, S. 85-87.
17) Federico ging wahrscheinlich aus einer Beziehung zwischen Guidantonio di Montefeltro und einem Edelfräulein des Hofes hervor, aber zu den Interpretationen und den mit der Geburt verbundenen Gerüchten vgl. G. Franceschini, I Montefeltro, ebd., S. 431.
18) Vgl. W. Tommasoli, La vita di Federico da Montefeltro, ebd., S. 12-13.
19) Gentile Brancaleoni, Tochter der Signori della Massa Trabaria, heiratet Federico am 2. Dezember 1437.
20) Vgl. G. Franceschini, I Montefeltro, ebd., S. 434. Zur Umwandlung der Söldnerheere in Freischaren zur Zeit der Bildung der Signorie siehe die schon zitierte Zusammenfassung von L. Salvatorelli, S. 216-218.
21) Zunächst für uneinnehmbar gehalten, wurde die Burg von San Leo durch Besteigung erobert, vgl. W. Tommasoli, La vita, ebd., S. 19.
22) Vgl. A. K. Isaacs, Condottieri, stati e territori nellItalia centrale, in Federico di Montefeltro, ebd., S. 57 und 59.
23) Vgl. P. Paltroni, Commentari della vita et gesti dellIllustrissimo Federico duca dUrbino, hrsg. von W. Tommasoli, Urbino, Accademia Raffaello 1966; G. Santi, La vita e le gesta di Federico di Montefeltro duca dUrbino. Gedicht in Terzinen (cod. Vat. Ottob. lat. 1305) hrsg. von L. Michelini Tocci, Città del Vaticano 1985, 2 Bde. (die Chronik von Santi war schon 1893 von H. Holzinger in Stuttgart veröffentlicht worden); F. Filelfo, Commentari della vita e delle imprese di Federico da Montefeltro, hrsg. von G. Zannoni, Tolentino 1901; Vespasiano da Bisticci, Le Vite, hrsg. von A. Greco, Firenze, Istituto Nazionale di Studi sul Rinascimento, 1970, vol. 1, S. 355-415.
24) Vgl. Nr. 10.
25) Vgl. W. Tommasoli, La vita, ebd., S. 121.
26) Zu Battista siehe außer den Seiten des zitierten Werkes von Tommasoli, S. 128/9, das Werk von M. Bonvini Mazzanti, Battista Sforza Montefeltro. Una "principessa" nel Rinascimento italiano, Urbino, QuattroVenti 1993.
27) Zu den Burgen des Herzogtums vgl. G. Volpe, Rocche e fortificazioni del Ducato di Urbino, lesperienza martiniana e larchitettura militare di transizione, Urbino 1982.
28) Vgl. W. Tommasoli, La vita, ebd., S. 239.
29) Wir verweisen noch einmal auf Tommasoli, S. 332/3.
30) Das Zitat stammt aus dem Werk von B. Baldi (1553-1617), Vita e fatti di Federigo di Montefeltro duca di Urbino, 1824 von Francesco Zuccardi in Rom veröffentlicht (aus dem unveröffentlichten Manuskript der Biblioteca Albani), S. 266-268.
31) Die tatsächliche Herrschaft der Montefeltro über Urbino reichte von Antonio (1377-1404), über Guidantonio (1404-42), Oddantonio (1442-44) und Federico (1444-82) bis Guidobaldo (1482-1508).
32) Ein Gedicht in dreisilbigen Versen und ein religiöses Sonett von Antonio da Montefeltro (ca. 1345-1404) wurden veröffentlicht von B. Borghesi, Rime del Conte Antonio di Montefeltro, Rimini, Marsoner e Grandi, 1819. Für M. Santagata (vgl. M. Santagata / S. Carrai, La lirica di corte nellItalia del Quattrocento, Milano, Franco Angeli, 1993, S. 47) "sind diese die einzigen Gedichte in Vulgärsprache aus dem 14. Jahrhundert, die von einem Dichter aus Urbino stammen." Zur Beachtung des Gedichtes von Dante vgl. L. Michelini Tocci, Introduzione al dante Urbinate della Biblioteca Vaticana (codice urbinate latino 365), Biblioteca Apostolica Vaticana, 1965. G. Vitaletti (Per la fortuna di Dante nel sec. XV. "Il Pellegrino" di Gaugello Gaugelli, codice Vat. Urbinate 692, in "Il Giornale dantesco", vol. XXIV, Firenze 1921, S. 217-226 und S. 291-327) veröffentlichte dieses Werk des Notars Gaugello Gaugelli, der in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts am Hofe von Urbino tätig war, wo mit Bemerkungen und Lösungen nach Dantes Art die Stadt und der Palast vorgestellt werden und der Stammbaum der Montefeltro dargestellt wird; wir zitieren hier einige Terzinen:
"Non te maravigliar sio te domando:
E questa la cictà che me dicesti
Chiamata Urbino, che sì la vai cercando?
Io me ricordo che me promectesti
Mostrarme dentro tucte le contrade,
La prima volta che tu me vedesti.
Ora fa sì che per la tua bontade
Io vega tucto, e fa che tu me conte
De questa terra la sua qualitade.
Intrammo dentro la porta del Monte
Mostraili tucto el bel pian de Mercato,
Lavaggine con la sua bella fonte,
La strada de Valbona a laltro lato.
Passammo Porta Maya fine in Corte
Con quella piazza nanzi al vescovato.
Ancora me resta mostrarte doi porte,
Quella de San Bartolo e San Polo,
Per gire a esse te fia troppo forte.
E così ragionando a solo a solo,
El pelegrino et io senza dimora,
Andammo a veder lore e loriuolo.
"Mostrar te voglio el bel palagio ancora,
Dixi io al pelegrin, dove se posa
Questo signor che la sua casa onora".
Mostraili quella scala spaziosa
Le camere de novo fabricate,
Depinte e bianche chen sì bella cosa.
Le stanzie de socto, per la state,
Con orticelli da sommo piacere,
E laltre stanzie de sopra abitate."
33) Battista hat ungefähr 20 Gedichte geschrieben, vgl. F. Zambrini, Laude et altre rime spirituali di Madonna Battista Malatesti, Imola, Galeati, 1947; G. Vanzolini, Rime inedite di Battista da Montefeltro, Pesaro, Nobili, 1864. Zu den Gedichten von Battista und von Guidantonio verweisen wir auf den Aufsatz von M. Santagata, Fra Rimini e Urbino: i prodromi del petrarchismo cortigiano, in M. Santagata/S. Carrai, La lirica di corte, ebd., S. 55-56.
34) Vgl. M. Santagata, Fra Rimini e Urbino, ebd., S. 59.
35) Vgl. M. Santagata, Fra Rimini e Urbino, ebd., S. 93.
36) Die kommentierte Ausgabe des Canzoniere von Angelo Galli, hrsg. von G. Nonni, Urbino, Accademia Raffaello 1987, hat sicher zur Wiederentdeckung eines Hauptvertreters der Lyrik in Vulgärsprache des 15. Jahrhunderts beigetragen.
37) Vgl. M. Filetico, Iocundissime disputationes, Modena, Mucchi, 1992, hrsg. von G. Arbizzoni.
38) Wir haben schon auf die kürzliche Ausgabe von Michelini Tocci der gereimten Cronaca von G. Santi hingewiesen; zu Filelfo vgl. F. Filelfo, Commentari della vita e delle imprese di Federico da Montefeltro, hrsg. von G. Zannoni, Tolentino 1901; G. Cerboni Baiardi wird in Kürze die Gedichte Feltresco Mercatello von Antonio Nuti, einem Dichter aus Mercatello, herausgeben. Die Ausgabe beruht auf dem Manuskript Vat. Urb. Lat. 785 vom 24.7.1480.
39) Vgl. A. Chastel, I centri del Rinascimento, Milano 1965, S. 41 und S. 46-50.
40) Für eine moderne Ausgabe dieses Werks vgl. L. Pacioli, Summa de Arithmetica Geometria Proporzioni et Proporzionalità, Roma, Istituto Poligrafico dello Stato 1994.
41) Außer den zitierten Vite von Vespasiano da Bisticci vgl. P. Castelli, Cronache dei loro tempi: cultura alla corte dei Montefeltro dal XV al XVI secolo, in Arte e cultura nella provincia di Pesaro e Urbino dalle origini a oggi, Venezia, Marsilio, 1986, S. 188/9.
42) Vgl. N. Guidobaldi, La musica di Federico. Immagini e suoni alla corte di Urbino, Firenze, Olschki 1995.
43) Zur Entweihung der Hostie vgl. M. Aronberg Lavin, The altar of Corpus Domini in Urbino: Paolo Uccello, Joos Van Ghent, Piero Della Francesca, in "The Art Bulletin", XLIX (1967), S. 1-24.
44) Vgl. C. Ginzburg, Indagini su Piero, Torino, Einaudi, 1981, S. 94/5, aber auch AA.VV, Città e corte nellItalia di Piero della Francesca. Atti del Convegno internazionale di Studi, Urbino 4-7 ottobre 1992, hrsg. von C. Cieri Via, Venezia, Marsilio, 1996.
45) Im Kapitel LXXXXI erwähnt Santi in seiner gereimten Cronaca (wir zitieren aus der Ausgabe von L. Michelini Tocci, ebd., S. 660-677) unter dem Titel De la partita del Duca da Urbino per andare a Milano, e una Disputa de la pictura die bedeutendsten Vertreter der Malerei des 15. Jahrhunderts:
A Brugia fu, fra gli altri più lodati,
el gran Jannès el discepul Rugiero,
cum tanti di excellentia chiar dotati,
ne la cui arte et alto magistero
di colorir, son stati sì excellenti,
che han superati molte volte el vero.
Ma in Italia, in questa età presente,
vi fu el degno Gentil da Fabriano,
Giovan da Fiesol, frate al bene ardente,
et in medaglie e in pictura, el Pisano,
frate Philippo e Francesco Pesselli,
Domenico chiamato el Venetiano,
Massaccio et Andrein, Paulo Ocelli,
Antonio e Pier, sì gran disegnatori,
Pietro dal Borgo, antico più di quelli,
dui giovin par detate e par damori,
Leonardo da Vinci e l Perusino
Pier dalla Pieve, chè un divin pictore,
el Ghirlandaia, el giovin Philippino.
Sandro di Botticello, e l Cortonese
Luca, de ingegno e spirto pelegrino.
46) Zu dem Maler Giovanni Santi vgl. A. Schmarson, Giovanni Santi. Der Vater Raphaels, Berlin 1887; R. Dubois, Giovanni Santi. Peintre et Chroniqueur à Urbin au XV siècle, Bordeaux 1971; R. Varese, Giovanni Santi, Pesaro, Cassa di Risparmio, 1994.
47) Zur Figur der Elisabetta Gonzaga, der Gemahlin Guidobaldos, siehe A. Luzio / R. Renier, Mantova e Urbino (1471-1539), Torino-Roma, Uroux 1893.
48) A. Saviotti, Una rappresentazione allegorica in Urbino nel 1474, in "Atti e memorie della Regia Accademia Petrarca di Scienze Lettere ed Arti", Arezzo, I (1920), S. 180-236.
49) Das Zitat stammt aus der Einleitungsrede von Carlo Bo, Rektor der Universität Urbino, zu den Celebrazioni Federiciane 1982, zu lesen in A casa di Federico, "Pesaro e Urbino", 1982, 3, S. 25.
50) Nützliche Angaben zu der komplizierten Baugeschichte des Palastes und des Doms findet man in dem Werk von F. Negroni, Il Duomo di Urbino, Urbino, Accademia Raffaello 1993. In dem 2. Gesang des ersten Gedichtes (Oktave 7-8) des unveröffentlichten Werks von Antonio Nuti liest man über den Palast:
La man mi trema et non so prencipiare.
A dir di tal palazo la beleza,
Non so qual parte prima me narrare,
Non so sio dico prima la grandeza:
Dognuno un libro se porebbe fare,
Et maxime a dir de la richezza,
Quale è dazurro et dargento et oro
Che mai fo visto un sì bel lavoro.
Non credo che al mondo sia el paro,
Sì longo, largo, alto et poi è forte;
Et infinito è el numero del dinaro
El quale è costo a far sì bella corte.
Priamo, Salamone col re Daro,
Né quanti imperadori ha structo morte,
Ne fesse un tale, et chi nol sa laviso
Che se po dire in terra un paradiso.
51) Zu den verschiedenen Bauabschnitten des Palastes vgl. L. Serra, Le varie fasi costruttive del Palazzo Ducale di Urbino, in "Bollettino darte", 10 (1931), 1-2, S. 433-447, P. Rotondi, Il Palazzo Ducale di Urbino, Urbino, Istituto Statale dArte, 1950; L. Arcangeli, Parti ornamentali, spostamenti e adattamenti, in Palazzo ducale di Urbino. Storia di un museo, Urbino, 1977, S. 39ff.
52) Vgl. L. Michelini Tocci, La formazione della Biblioteca di Federico da Montefeltro: codici contemporanei e libri a stampa; M. Moranti, Organizzazione della Biblioteca di Federico di Montefeltro, in Federico di Montefeltro, ebd., S. 9-49.
53) Zu diesem Thema verweisen wir noch einmal auf das Werk Federico di Montefeltro: La cultura und besonders auf die S. 51-60 mit dem Beitrag von A. M. Adorisio / C. Federici, Aspetti tipologici delle ligature feltresche.
54) Vgl. M. Moranti / L. Moranti, Il trasferimento dei "Codices Urbinates" alla Biblioteca Vaticana, Urbino, Accademia Raffaello, 1981.
55) Vgl. Frammento del Diario di Luca Holstenio scritto durante il viaggio da Perugia a Urbino nel 1643, in Il trasferimento, ebd., S. 155.
56) Vgl. L. Ariosto, Orlando Furioso, 43, CXLVIII - CXLIX, Milano-Napoli, Ricciardi, 1954, S. 1139.
57) Wir beziehen uns auf die Introduzione von Amedeo Quondam zu der zitierten Ausgabe des Cortegiano und auf den Aufsatz von Angela Carella, Urbino e le Marche, in Letteratura Italiana, storia e geografia. Letà moderna, Torino, Einaudi 1988, S. 473-520.
58) Vgl. A. Carella, Urbino e le Marche, ebd., S. 491.
59) Vgl. A. Quondam, Introduzione zu Il libro del Cortegiano, ebd., S. XXXVII.
60) Vgl. Nr. 1.
61) Vgl. A. Quondam, Introduzione zu Il libro del Cortegiano, ebd., S. XLIV.
62) Vgl. B. Castiglione, Il libro del Cortegiano, ebd., S. 20-21.
63) Vgl. B. Castiglione, Il libro del Cortegiano, ebd., S. 21-22.
64) Vgl. B. Castiglione, Il libro del Cortegiano, ebd., S. 18-19. Aber vielleicht ist noch einmal der Verweis auf den 2. Gesang des 1. Gedichtes von Antonio Nuti nützlich (Oktaven 26,29,32):
Odo chen stanze docentocinquanta,
Ben compartite da cervel sotili;
Usci et finestre seicentosexanta,
Camere e sale, loggie con cortili,
Chamin, che may fan fume, son quaranta,
Guardacamere, salocti assai gentili,
Stalle ben poste, et simil la cocina,
Stanze da vin, da grano e da farina.
.....
Et dogni ragion libri qui si trova
Li secti octavi in carta pecorina,
La bibia grande et la piccola nova
In lingua greca como la latina.
Omni dì libri qui se rinova,
Non fo mai visto sì bella dotrina.
Un libro Nicolò mustrar cie feo
El qual si è chiamato Tolomeo.
.....
De libri cie son qui domni ragione:
Desegni derbe, vita danimali,
Cronache vè de più generatione
De anime, de corpi tali et quali,
Duomini famosi ancor le lor natione
E lopere che fieron bene et mali:
Quanti se trova libri ben da lunge
Qui son portati, et omni dì saggiunge.
65) Vgl. A. Quondam, Introduzione zu Il libro del Cortegiano, ebd., S. XXXVII.
66) Don Michele De Silva, Bischof von Viseu, war ein portugiesischer Adliger und Literat, dem Castiglione in Rom am Hof von Papst Leo X. begegnet war. Zur Bedeutung des De Silva gewidmeten Briefes vgl. A. Carella, Urbino e le Marche, ebd., S. 499.
67) Man darf nicht vergessen, daß die Aminta, nach der Inszenierung 1573 in Ferrara, in der Fastenzeit des Jahres 1574 in Pesaro aufgeführt worden war.
68) Die Eiche ist das Zeichen, das in dem Wappen des Hauses Rovere erscheint.
69) Vgl. T. Tasso, Al Metauro.
MODERNE BIBLIOGRAPHIE ZUM THEMA
Die Bibliographie zu Federico und zum Herzogtum Urbino ist sehr umfangreich. Wir führen hier nur einige Werke der modernen Bibliographie auf, in denen man aber Angaben zu den vorhergehenden finden kann.
1.
Außer auf die grundlegenden Bände zu Federico di Montefeltro, Lo Stato / Le arti / La cultura, Roma, Bulzoni 1986, hrsg. von Giorgio Cerboni Baiardi, Giorgio Chittolini, Pietro Floriani, die die Arbeiten des Kongresses vom 3. bis 8. Oktober 1982 in Urbino enthalten, verweisen wir auf die folgenden Werke über die Montefeltro und den Staat Federicos:
A. CHASTEL, I centri del Rinascimento, Milano 1965;
P. PALTRONI, Commentari della vita et gesti dellillustrissimo Federico Duca dUrbino, hrsg. von W. Tommasoli, Urbino, Accademia Raffaello, 1966;
F. COUSIN, La personalità storica dei duchi di Urbino, Urbino 1970;
FRANCESCHINI, I Montefeltro, Varese, DallOglio 1970;
W. TOMMASOLI, La vita di Federico da Montefeltro, 1422-1482, Urbino, Argalia 1978 und 1995;
G. CHITTOLINI, La formazione dello Stato regionale e le istituzioni del contado, Torino, Einaudi 1979;
P. PERUZZI, Lavorare a corte. "Ordini et officij". Domestici, familiari, cortegiani e funzionari, in "Studi Urbinati di Scienze giuridiche ed economiche", 1980-81/81-82, S. 317-396;
C. CLOUGH, The Ducky of Urbino in the Renaissance, London, Variorum 1981;
G. FRANCESCHINI, Documenti e registri per servire alla storia dello stato di Urbino e dei conti di Montefeltro, Urbino, 1982;
F. SANGIORGI, Iconografia Federiciana, Urbino, Accademia Raffaello, 1982;
E. FASANO GUARINI, Gli stati dellItalia Centro settentrionale tra Quattro e Cinquecento: continuità e trasformazioni, in "Società e storia", 1983, S. 21;
M. BONVINI MAZZANTI, Beatrice Sforza Montefeltro. Una "principessa" nel Rinascimento italiano, Urbino, Argalia 1993.
2.
J. BURCKHARDT, La civiltà del Rinascimento in Italia, Firenze, Sansoni, 1955;
P. L. ROSE, Humanist Culture and Renaissance Mathematics: The Italian Libraries of the Quattrocento, in "Studies in The Renaissance", XX (1972), S. 46-105;
La Corte e il "Cortegiano". I: La scena del testo; II: Un modello europeo, Roma, Bulzoni 1980;
AA.VV, Arte e cultura nella provincia di Pesaro e Urbino, hrsg. von F. Battistelli, Venezia, Marsilio 1986;
E. GAMBA / V. MONTEBELLI, Le Scienze a Urbino nel tardo Rinascimento, Urbino, QuattroVenti 1988;
R. RINALDI, Il progetto umanista, in Storia della civiltà letteraria italiana, Torino, Utet 1990, S. 1-160;
V. ROSSI, Il Quattrocento, Padova, Piccio-Vallardi 1992 (Neuauflage der Ausgabe von 1933 hrsg. von R. Bessi);
M. SANTAGATA / S. CARRAI, La lirica di Corte nellItalia del Quattrocento, Milano, FrancoAngeli 1993;
AA.VV, La cultura nelle Marche in età moderna, Milano, Motta 1996;
N. GUIDOBALDI, La musica di Federico. Immagini e suoni alla corte di Urbino, Firenze, Olschki 1995;
C. GINZBURG, Indagini su Piero, Torino, Einaudi 1981;
R. VARESE, Giovanni Santi, Pesaro, Cassa di Risparmio 1994;
AA.VV, Città e corte nellItalia di Piero della Francesca. Atti del Convegno Internazionale di Studi. Urbino 4-7 Ottobre 1992, hrsg. von C. Cieri Via, Venezia, Marsilio 1996;
P. ROTONDI, Il palazzo ducale di Urbino, voll.2, Urbino, Istituto Statale darte 1950;
A. PINELLI / O. ROSSI, Genga architetto. Aspetti della cultura urbinate nel primo Cinquecento, Roma, 1971;
Restauri nelle Marche. Ricerche, studi e interventi per la conservazione e la valorizzazione dellambiente storico, Sopraintendenza ai monumenti delle Marche, 1973, S. 350-432;
Documenti urbinati. Inventari del palazzo ducale (1582-1631), hrsg. von F. Sangiorgi, Urbino, Accademia Raffaello 1976;
L. ARCANGELI, Parti ornamentali, spostamenti e adattamenti in Palazzo ducale di Urbino. Storia di un museo, Urbino, 1977;
Il Palazzo Ducale di Urbino, Novara, De Agostini 1982;
F. MAZZINI, I mattoni e le pietre di Urbino, Urbino, Argalia 1982;
Il Palazzo Ducale di Federico da Montefeltro. Vol I: Restauri e ricerche, vol II: Rilievi, hrsg. von M. L. Polichetti, Urbino, QuattroVenti 1985;
L. BENEVOLO / P. BONINSEGNA, Urbino, Bari, Laterza 1986;
F. MARIANO, Architettura nelle Marche dalletà classica al Liberty, Firenze, Nardini 1995;
G. FRANCESCHINI, Per la storia della Biblioteca di Federico da Montefeltro duca di Urbino, in Figure del Rinascimento italiano, Urbino, STEU 1959;
A. DADDARIO, LArchivio del Ducato di Urbino. Un problema di storia e di diritto archivistico, in Miscellanea in memoria di Giorgio Cencetti, Torino, Bottega DErasmo, 1973;
M. und L. MORANTI, Il trasferimento dei "codices urbinates" alla biblioteca vaticana. Cronistoria, documenti e inventario, Urbino, Accademia Raffaello 1981.
3.
S. BATTAGLIA, Mitografia del personaggio, Milano, Rizzoli 1968;
A. DI BENEDETTO, Alcuni aspetti della Fortuna del "Cortegiano" nel Cinquecento, in Stile e linguaggio, Roma, Bonacci 1974;
G. GORNI / N. FRYE, Il "Cortegiano" in una società senza corti, in "Spicilegio moderno", 1978, 10, S. 3-16;
J. R. WOODHOUSE, B. Castiglione. A reassesment of the Courtier, Edinburgh, University Press 1978;
A. QUONDAM, Introduzione a Il libro del Cortegiano, Milano, Garzanti 1981;
A. CARELLA, Urbino e le Marche, in Letteratura Italiana. Storia e geografia, Torino, Einaudi 1988.